Montag, 31. Dezember 2012

Jahresrückblick 2012

Ich habe in diesem Jahr 28 verschiedene Stücke – viele davon mehrfach:
-          
 Rocky Horror Show, Oberhausen :-)
-          Hinterm Horizont, Berlin * :-)
-          Tanz der Vampire, Berlin :-)
-          The Full Monty, Dortmund :-)
-          Elisabeth, Essen :-)
-          Miss Saigon, Utrecht :-)
-          Wicked, Scheveningen + London :-)
-          Die Tagebücher von Adam und Eva, Datteln * :-)
-          Kein Pardon, Düsseldorf *
-          Hair, Hamm + Wuppertal
-          Company, Bielefeld *
-          Der Graf von Monte Christo, Leipzig * :-)
-          Marie Antoinette, Tecklenburg * :-)
-          In 80 Tagen um die Welt, Tecklenburg * :-)
-          Hairspray, Tecklenburg :-)
-          Die Päpstin, Hameln :-)
-          Rebecca, Stuttgart *
-          Dirty Dancing, Oberhausen *
-          Thrill me, Datteln *
-          Jesus Christ Superstar, Bremerhaven
-          The Who’s Tommy, Bielefeld *
-          Blood Brothers, London * :-)
-          The Bodyguard, London *
-          Billy Elliot, London :-)
-          Matilda, London *
-          Funny Girl, Dortmund *
-          Es war einmal… *
-          Rocky, Hamburg * :-)

...wovon 17 für mich neu waren (*)  
...fast genauso viele Musicals kriegen von mir dieses Jahr einen „Glücklich-Smile-Award“ :-)

Bei manchen müsste ich gleich 2 oder 3 Smileys machen, aber wir wollen mal nicht übertreiben.
Aber meine Lieblingsshows waren dieses Jahr auf jeden Fall: The Full Monty, Miss Saigon,  Die Tagebücher von Adam und Eva, Hairspray, die Päpstin (mit Sophie Berner) und Rocky!

Die meisten Musicals, die keinen Smiley gekriegt haben, sind aber trotzdem empfehlenswert und haben mir in anderer Produktion besser gefallen (z.B. Hair, Jesus Christ Superstar).

20 andere Shows (Galas, Konzerte und Veranstaltungen in anderen Bereichen) will ich auch nicht unter den Tisch fallen lassen.
Das Highlight war hier -mal wieder- die Sommernacht des Musicals in Dinslaken und auch die Pfingstgala in Tecklenburg war eindeutig ihren Besuch wert.

Ich war durchschnittlich 1,3 Mal pro Woche unterwegs und somit offiziell verrückt!

2012 war mal wieder ein verrücktes, tolles, interessantes, mitreißendes, abwechslungsreiches Musicaljahr. Ich hab viel gesehen, viel gehört, mit tollen Leuten auf der Bühne und mit mir im Zuschauerraum, hab schöne Orte besucht.

Sonntag, 16. Dezember 2012

Rocky, Hamburg (Matinee)

Ich gebe zu, als ich das erste Mal von "Rocky - Das Musical" hörte, hab ich das Ganze für den größten Witz gehalten. Sylvester Stallone und die Klitschkos lassen einen Boxer singen? Was soll das denn? Wer will das? Wer braucht das?



Dann wurde die Cast bekannt gegeben und erste Songs und Bilder tauchten auf. Langsam aber sicher wirkte das Projekt immer weniger lächerlich und machte sogar neugierig. Nach der Premiere überschlugen sich die positiven Kritiken. Vielleicht passen Boxen und Musiktheater ja doch ganz gut zusammen?!

Das Musical basiert auf dem gleichnamigen Film von und mit Sylvester Stallone. Ich hab ihn mir bewusst vorher nicht angesehen und bin auch ganz froh, dass ich unvoreingenommen im Theater saß, keine Vergleiche ziehen musste und mich ganz neu auf alles einlassen konnte.
Die Geschichte beginnt Ende 1975 in Philadephia. Rocky Balboa ist 29 und es sieht so aus, als würde aus seiner Karriere als Boxer nichts mehr. Er hält sich mehr schlecht als recht mit Gelgenheitskämpfen in heruntergekommenen Boxschuppen und als Geldeintreiber für einen Typen namens Gazzo über Wasser. Auch in der Liebe scheint er einen aussichtslosen Kampf zu bestreiten. Denn Adrian, die er schon seit der Schulzeit liebt, ist zu schüchtern um mit ihm auszgehen. Doch so leicht gibt er nicht auf und mit viel Geduld gelingt es ihm sie für sich zu gewinnen.


 Youtube Kanal: UnitedMusicals

Unverhofft bietet sich die Gelegenheit den Boxkampf seines Lebens zu bestreiten. Der amtierende Weltmeister will gegen einen Underdog boxen und wählt Rocky für diesen Showkampf aus. Alle sind sich einig, dass er in der ersten Runde K.O. gehen wird. Doch er will sich nicht zum Gespött der Massen machen und trainiert hart. Sein Ziel ist es die vollen 15 Runden durchzuhalten und am Ende als würdiger Gegner erhobenen Hauptes aus dem Ring zu gehen.
 

Sylvester Stallone hat mit diesem Stoff in den 70er Jahren Filmgeschichte geschrieben und auch das Musical scheint ein riesiger Erfolg zu werden.  Und das zu Recht!

Es ist die Geschichte eines einfachen Mannes der sich -im wahrsten Sinne des Wortes- durchboxen muss. Rocky ist nicht besonders hübsch und es gibt ganz sicher hellere Kerzen im Leuchter. Das Schöne ist - er ist sich dessen bewußt und grade das macht ihn so sympathisch und glaubwürdig!

Drew Sarich ist wunderbar in dieser Rolle. Er spielt Rocky genau auf den Punkt. Mit dem Kopf ist es nicht so weit her, aber er ist ein durch und durch liebenswerter Kerl mit dem Herz am richtigen Fleck. Die Rolle verlangt eher darstellerisch und athletisch Höchstleistungen, gesanglich kann Drew nur bedingt zeigen was er tatsächlich drauf hat. Die Lieder sind insgesamt gesehen eher "kleine Liedchen", die die Handlung und die Charaktere untermalen sollen. Ich finde aber, dass sich die Musik sehr gut in das Stück einfügt. Würde Rocky große Arien schmettern, würde das einfach nicht zu ihm passen. Viele Texte sind eher zum schmunzeln und machen Rocky noch liebenswerter. Vielleicht sollte man die CD nicht unbedingt nach dem ersten hören beurteilen. Die Lieder machen viel mehr her, wenn man sie in Verbindung mit dem Stück sieht.

Auch Adrian wurden ihre Lieder auf den Rollen-Leib geschneidert. Durch Rocky entwickelt sie sich vom schüchternen Mauerblümchen zur selbstbewussten Frau, die auch mal das Wort gegen ihren teilweise tyrannischen Bruder erhebt. Die Entwicklung zeigt sich auch in ihren Liedern: Am Anfang klingt sie sehr melancholisch und einsam "Wenn es weiter regnet", während sie nachher bei "Vorbei" aus vollem Halse ihre Wut hinaus schmettert. Wietske van Tongeren kann hier einige Facetten präsentieren und ist phantastisch in dieser Rolle (wie eigentlich in jeder Rolle, in der ich sie bisher gesehen habe). Irgendwas hat sie in der Stimme und in ihrem Blick, das einem die Haut mitunter komplett mit Gänsehaut überzieht.


Photo: Stage Entertainment/Morris Mac Matzen
Die weiteren Rollen sind ebenfalls durchweg sehr gut besetzt. Aber das Stück lebt eindeutig von den beiden Hauptdarstellern und da kann man sich wirklich keine Besseren wünschen! Ich glaube, Drew Sarich und Wietske van Tongeren hätten mich nicht mehr umhauen könne, wenn sie mit Boxhandschuhen auf mich eingeschlagen hätten.

Bühnentechnisch ist das Musical vorallem beim Boxkampf am Ende ein riesen Spektakel. Sicher haben die meisten schon davon gehört. Bucht man "Golden Circle" - das sind die Plätze in der Mitte im vorderen Bereich, wird man vor dem Kampf vom Ringsprecher aufgefordert neue Plätze hinter dem Ring einzunehmen. Dieser wird dann in den Zuschauerraum verlagert, so dass eine "echte" Boxkampf-Arena entsteht. Das Ganze wird gut in die Handlung einbezogen. Danach laufen dann die Boxer ein. Man hat wirklich das Gefühl bei einem richtigen Boxkampf dabei zu sein.


Photo: Stage Entertainment/TicketOnline
Leider gab es in unserer Show technische Schwierigkeiten und zwischen dem Einlauf von Rocky und dem von Apollo gab es eine Unterbrechung. Ungünstiger hätte die Technik nicht schlappmachen können. Denn eigentlich war das Publikum grade so richtig in Stimmung. Und ich glaube, wenn alles reibungslos geklappt hätte, hätte der Saal richtig gekocht. Auch wenn die Stimmung sehr schnell nach "Wiederanpfiff" erneut grandios war. Denn grade als Publikum im vorderen Teil fühlt man sich als wär man selbst in der Show dabei! Der Kampf selber wirkt auf faszinierende Weise verdammt echt. Blut und Schweiß und fliegende Fäuste. Mehr als einmal musste ich den Atem anhalten. Ich hab mich bisher eigentlich nie fürs Boxen interessiert, aber das war schon ein echt geniales Spektakel!
Und auch sonst bin ich vom Bühnenbild mehr als begeistert. Beim Kulissenbau wurde viel Wert auf Authenzität gelegt. Rocky lebt in ärmlichen Verhältnissen im Philadelphia der 70er Jahre. Seine Bude, der Boxschuppen, wo er "keinen Spint" hat, der Schlachthof wo sein Freund Paulie arbeitet (kein Bühnenbild für Vegetarierer^^), Adrians Zoohandlung, alles ist sehr hübsch runtergekommen und toll gemacht! Hin und wieder wird mit Videokulisse gearbeitet, aber nie ist es "too much" - Soll heißen. Die Kulisse ist effektvoll ohne den Zuschauer zu erschlagen! Ich finde, die Bühnenbildner haben ganze Arbeit geleistet und auch optisch ein grandioses Musical auf die Bühne gezaubert. Ich mag die pompösen Kulissen à la Wicked oder Phantom der Oper, aber diese "aufwendig einfache Realtität" war total passend und stimmig!

Obwohl mein Erwartungsbarometer -seit der umjubelten Premiere- doch deutlich nach nach oben gestiegen ist, bin ich überrascht wie kurzweilig die Show ist, wieviel Spaß ich dabei hatte und wie begeistert ich am Ende war. Und nicht nur ich. Der fast ausverkaufte Saal ging bei jeder Szene mit. Es gab viel Zwischenapplaus, es wurde gelacht und auch mal dazwischengerufen. Ich kanns nicht anders sagen: Rocky ROCKT!
Ich würde es mir jederzeit gerne nochmal anschauen (Sponsoren melden sich bitte unter.... - nee, war nur ein Scherz...). Leider sind die gepfefferten Preise für gute Plätze schon etwas abschreckend. Trotzdem kann ich dieses Musical absolut empfehlen!


PS:
Das Tui Operettenhaus hat einen ziemlich großen PK 1 Bereich, der sogar vom sogennanten Golden Circle preislich noch getoppt wird. Auch wenn Rocky Balboa nicht viel Geld hat - Wer Rocky sehen will muss tief in die Tasche greifen! Das schien aber zumindest in der Sonntagsmatinee kaum jemanden abgehalten zu haben. Ehrlich - So ausgebucht hab ich ein Stagetheater nur bei Dernieren gesehen. Die freien Plätze konnte man höchstens an zwei Händen abzählen!
Wir saßen in der 10 Reihe ganz rechts. Vom Blickwinkel her hätte es gerne noch etwas mittiger sein dürfen, aber grundsätzlich war die Sicht auch von der Seite wirklich gut. Allerdings ist der Zuschauerraum so flach wie Holland. Ich hatte noch Glück, weil ich zwischen zwei Köpfen durchgucken konnte und so ca. 95 % der Bühne problemlos sehen konnte, ohne wie ein Boxer immer von links nach rechts tänzeln zu müssen. Aber wenn man Pech hat helfen nur Kindersitzkissen?! Ich verstehe manchmal nicht so richtig, was sich Theatererbauer eigentlich bei solchen Zuschauerräumen danken. Da lob ich mir die "neue Flora" und hoffe, dass im neuen Theater, was derzeit im Hamburger Hafen gebaut wird diesmal alles richtig gemacht wird.

Mittwoch, 7. November 2012

The Bodyguard (Preview), London

20 Jahre nach dem der Film in den Kinos ein Kassenschlager war, wurde "The Bodyguard" nun vermusicalt und ist das brandneueste Stück im West End. Die Previews laufen seit dem 6.11.2012. Die Premiere wird am 24.11.2012 sein.

Erzählt wird die Liebesgeschichte von Frank Farmer und Rachel Marron. Sie ist eine sehr erfolgreiche Sängerin, die immer im Rampenlicht steht und deren Leben von einem Stalker bedroht wird. Er ist Personenschützer und wird als ihr Bodyguard engagiert. Zunächst gegen ihren Willen, denn Rachel fühlt sich durch Franks verschärften Schutzmaßnahmen eingeengt. Doch bald entwickelt sich zwischen den beiden mehr als nur Freundschaft. Damit verletzt Frank das oberste Gebot eines Bodyguards, der niemals emotional sein darf. So kommt es bei der Oscarverleihung fast zu einer Katastrophe...

Ich kann mir schon vorstellen warum man sich von diesem Musical einen Erfolg erhofft: Liebe und Gefahr, dazu die sehr emotionalen Songs der kürzlich verstorbenen Whitney Housten. Ob die Welt auf dieses Musical gewartet hat?! Ich weiß es nicht...
Klingt von meiner Seite aus jetzt nicht so enthusiastisch, oder?

Gut, ich gebe zu, dass ich bei dieser Art von Musical immer an den "Dirty-Dancing-Effekt" denken muss! Ich seh mich mit einer Tüte Chips vor dem Fernseher, oder schmeiße den Soundtrack in den CD-Player... Natürlich gibt es jede menge tolle Musicals, die auf einem Film basieren. The Full Monty, Billy Elliot, Legally Blonde... um nur ein paar zu nennen. Vermusicalungen, die im Theater total Spaß machen und die jeden Cent wert sind und die ich niemals gegen eine Tüte Chips und mein Sofa eintauschen würde. All diese Stücke haben aber eins gemeinsam - Sie wurden für die Bühne komplett überarbeitet, die Musik wurde extra dafür geschrieben, um die jeweilige Geschichte mitzuerzählen und neue Aspekte hervorzuheben. Im Gegensatz zu Stücken wie Dirty Dancing oder eben auch "The Bodyguard", die ein Mix aus Film-Musical und Jukebox-Musical sind. Nichts gegen Whitney Houston Songs. Im Gegenteil - ich hab den Soundtrack immer sehr gerne gehört. Aber muss ich ne Menge Geld ausgeben um die gleiche Geschichte mit den gleichen Songs zu hören?



Mich persönlich hat es eigentlich nicht so sehr in das Stück gezogen. Ein bisschen Neugier war zwar da... aber das alleine hätte wohl nicht ausgereicht mich ins Theater zu locken.

Dass ich dann doch eine Karte gekauft habe, lag schlicht und ergreifend an der Cast - bzw. an einer einzigen Person: Heather Headley!
Wenn man mir 2004 Jahren erzählt hätte, dass ich sie mal live auf der Bühne sehen würde, mir wäre sicher nur ein Wort eingefallen: Wow!
Als die Aida CD vom Broadway rauskam, hab ich wochenlang nichts anderes mehr gehört als immer wieder diese CD mit der großartigen Heather Headley in der Hauptrolle. Der Broadway lag gefühlt am Ende der Milchstraße. Aber wie das Sprichwort sagt: Viele Straßen führen nach London! Und es hat nicht mal Lichtjahre gedauert - nur 8 kurze Menschenjahre.

Letztendlich hat sich der Besuch im Adelphi-Theater für mich hauptsächlich wegen Heather gelohnt. Sie hat in all den Jahren nichts an Stimmkraft und Ausdruck verloren. Kommt sie auf die Bühne, ist Gänsehaut garantiert. Gegen sie wirken die meisten anderen Darsteller wie Statisten und sind es im Prinzip auch.
Lloyd Owen als Frank Farmer hatte - wie fast alle anderen Darsteller auch - eine reine Sprechrolle, die er insgesamt gut ausfüllte (Seine Mimik ist aus der vorletzten Reihe im Rang allerdings nicht so gut zu beurteilen). Singen durfte er nur ein einziges Mal, nämlich bei seinem ersten Date mit Rachel - in einer Karaoke Bar, wo er den Dolly Parton Song "I will always love you" singt, der später von Rachel Marron alias Heather Headley alias Whitney Housten zum Welthit wird.

Zu erwähnen wäre außerdem noch Debbie Kurup. Sie spielt Rachels Schwester , die sich neben Rachel immer nur als 2. Wahl fühlt. Rein stimmlich steht sie tatsächlich in ihrem Schatten, auch wenn sie mir insgesamt ganz gut gefallen hat. Doch wie schon erwähnt: Star der Show ist einzig und allein Heather, neben der alle anderen blass und austauschbar wirken. Ich bin mir daher nicht sicher, ob diese Show eine Cast-Change überleben wird.


Ich hatte das Gefühl, dass man die Schwächen der Show mit einem technisch fast schon übertrieben aufwendigen Bühnenbild auszugleichen versucht. Man präsentiert eine extrem wandelbare Bühne mit sehr detailreicher Kulissen. Ich für meinen Teil habe mich aber sehr schnell daran gewöhnt - so dass der Effekt der durch das -ohne Frage schön anzuschauenden Bühnenbild- erzielt wird,  im Laufe der Show doch recht schnell verpufft.
Lange Dialogszenen nehmen oft die Fahrt aus dem Stück. Wären nicht immer wieder die gesanglich beeindruckenden Auftritte der Hauptdarstellerin, würde man sich vermutlich recht schnell langweilen.

Ich kann "The Bodyguard" deshalb nur bedingt empfehlen. Ich hab es im Großen und Ganzen nicht bereut. Ich würde das Geld, das die Karte gekostet hat beim nächsten Mal aber eher in ein Konzert von Heather Headley investieren. Denn das Finale war der Hammer - Zum Schlussapplaus rockt die Cast ordentlich die Bühne, was letztlich auch das Publikum aus den Sitzen gerissen hat.

Wicked XV, London (Matinee)


Cast 2012/2013






more to come... :)

Dienstag, 6. November 2012

London, Baby! Eine kleine Vorschau...

Letzte Woche habe ich wieder ein paar Tage in der Stadt mit dem West End verbracht. London ist eine wundervolle Stadt und für Musical-Liebhaber das Paradies.
Über 20 verschiedene Musicals laufen dort aktuell. Viel, viel Auswahl also - und das obwohl grade viel im Umbruch ist. So manches Stück hat oder hatte derzeit Derniere. Und es läuft auch einiges neu an.


4 Tage in der Stadt meines Herzens und gleich mehrere first- oder last week Shows. Hier schonmal ein kleiner Überblick, was ich (hoffentlich) demnächst an Berichten erwartet.

Angefangen hab ich Dienstag mit "Blood Brothers". Ein Stück, das sich am 10. November nach über 24 Jahren erstmal vom West End verabschiedet. Eigentlich ist es schade, dass ich dieses außergewöhnliche Musical erst so spät kennenlernen konnte. Ich bin mit keinerlei Erwartungen reingegangen. Ich kannte weder Handlung noch Musik und bin wirklich froh, so kurz vor knapp noch die Gelegenheit ergriffen zu haben. Das Stück hat mich ganz schön mitgerissen. Mehr dazu dann im Blog.

Mittwoch Nachmittag stand mal wieder ein Besuch im Lande OZ an. "Wicked" muss einfach sein. Besonders, wenn die Besetzung so interessant zu werden verspricht. In London gibt es einmal im Jahr einen Cast-Change. Im November 2011 hatte ich eine Glinda namens Louise Dearman auf der Castliste stehen, die kurz danach ihre Derniere hatte und von Gina Beck beerbt wurde. Dieses mal standen beide Damen zusammen auf der Bühne... Zwei Glindas? Nein, nein - keine Sorge. Louise Dearman ist nach einem Jahr Wicked-Urlaub zurückgekehrt. Jedoch nicht als blonde, sondern als grüne Hexe! Damit ist sie die erste Darstellerin, die beide weiblichen OZ-Hauptrollen auf ihre Vita schreiben kann. Wie sie mir in ihrer ersten Elphaba-Woche gefallen hat... Später dann ausführlich!

Für Abends hatten wir bereits Karten für "Bodyguard". Ein Musical dass neuer fast nicht sein kann. Denn die Vorstellung am Mittwoch war erst die 2. Show überhaupt. Natürlich gibt es keine Preisnachlässe und so mussten wir in einen recht sauren Apfel beißen. Verhältnismäßig teure Tickets und relativ schlechte Plätze. Für die Hauptdarstellerin Heather Headley kann man das machen, ob es sich ansonsten lohnt... Hmmm...

Auch Donnerstag war Doppelshow-Tag. Allerdings stand nachmittags ein Theaterstück auf dem Programm. Die Plakate von Anton Chekhovs "Uncle Vanya" hingen überall und dem Dayseatsangebot konnte ich dann einfach nicht widerstehen. Sehr interessante Schauspieler: Ken Stott, der demnächst beim "Hobbit" den Balin spielt und Laura Carmichael ('Edith' in Downton Abbey), die hier ihr Bühnendebut im West End gibt, sowie weitere namhafte Bühnenschauspieler.

Abends gings dann tanzen! Ebenso wie Wicked gehört auch "Billy Elliot" bei mir zum Standard-London-Programm. Ich hab dieses Stück irgendwie gefressen - ich gebs zu. Es ist wohl die Mischung aus gepfeffertem englischen Dialekt, Witz, traurigen Szenen und den unglaublich talentierten Kids, die locker jeden Erwachsenen an die Wand spielen und tanzen. Für mich ist Billy Elliot immer eine Achterbahnfahrt, die ich niemals leid werde.

Apropos talentierte Kids... Der Freitagabend war eine schwierige Entscheidung... So viel zu sehen und nur noch für eine Vorstellung Zeit. Ich hatte Lust auf Les Miserables, andererseits aber auch auf was Neues. Besonders viel Hype wird grade um "Matilda" gemacht und auch der Verkäufer im Musical Shop "Dress Circle" schlug genau in diese Kerbe... Es wäre sehr schwierig Karten zu bekommen, aber wenn es welche gäbe, sollte man unbedingt zuschlagen! Und da das Theater ebenfalls in Covent Garden ist, haben wirs direkt Donnerstag probiert und Glück gehabt und einigermaßen bezahlbare Tickets für Freitag Abend bekommen. Was mich am meisten beeindruckt hat - eindeutig die un-glaub-lich-en Kinder. Aber mehr dazu dann im Blog :)


Aber sag mir mal bitte einer: Warum geht Zeit so schnell rum?! Schwupps steht man morgens um halb sieben im Regen und wartet auf den Bus zum Flughafen... Der Regen ist ein Klischee... Es stimmt - bei Abfahrt wars nass, aber sonst ist das Wetter in London viel, viel besser als sein Ruf. Und falls es doch mal schlecht sein sollte - man findet immer einen trockenen Platz in einem Theater!

London, Baby! I love you!


Samstag, 13. Oktober 2012

Thrill me - The Leopold and Loeb Story, Datteln

Titelplakat
In einem meiner letzten Blogs zum "Katielli Theater" hatte ich geschrieben, dass es in Datteln gleich hinterm Broadway links liegt. Wegbeschreibungen sind so gar nicht meine Stärke... und doch hatte ich recht!

Mit "Thrill me" hat Bernd J. Arends nämlich nach "Tick, Tick... Boom" wieder ein Stück vom Off-Broadway direkt in sein kleines, feines Wohnzimmer-Theater nach Datteln geholt, es mit viel Herzblut neu überarbeitet, ins deutsche übersetzt und auch gleich eine der beiden Hauptrollen übernommen.

Das Musical erzählt die wahre Geschichte der sogenannten "Thrill Killers" Richard Loeb und Nathan Leopold, die 1924 einen Jungen ermordeten um "das perfekte Verbrechen" zu begehen.
Das Stück beginnt im Jahre 1958. Nathan Loeb sitzt im Gefängnis und beantragt seine Begnadigung. Um diese zu erreichen, soll er noch einmal die ganze Geschichte mit allen Hintergründen darlegen.
Rückblende ins Chicago der 20er Jahre. Nathan ist 19, jung naiv und verliebt - in Richard. Der ist ebenfalls verliebt - aber nicht so sehr in Nathan, sondern eher in das Verbrechen und den damit verbundenen "Kick". Nathan ist für ihn nur Mittel zum Zweck. Er soll Schmiere stehen oder als Handlanger behilflich sein. Kurz, Richard nutzt Nathans Zuneigung für seine Zwecke und zwingt ihn zu immer schwereren Verbrechen. Schon bald reichen Brandstiftung und Diebstahl nicht mehr aus. Ein Mord muss geschehen, am besten das perfekte Verbrechen. Doch Richard hat seine Rechnung ohne Nathan gemacht.


Und jetzt hör ich auf etwas über die Handlung zu schreiben, bevor ich zuviel verrate! Denn sollte das Stück irgendwann, irgendwo - vielleicht wieder am "Off-Broadway von Deutschland" gespielt werden, sollte man sich selber von dem Ausgang der Ereignisse überraschen lassen.
Das Stück ist nämlich spannend und nicht immer ist alles so wie es scheint. "Psychologische Kriegsführung" nennt man das wohl.
In Datteln wurde anderthalb Stunden ohne Pause durchgespielt. Das ist auch sinnvoll, damit man nicht aus der viele-Haken-schlagenden Handlung rausgerissen wird.

"Thrill me" ist ein Musical, aber hier steht eindeutig die Handlung im Vordergrund, während die Lieder eher den erzählerischen Part übernehmen. Es sind nicht unbedingt Ohrwürmer, an denen man sich nicht satt hören kann, sondern Teil der Geschichte und wichtig für den Handlungsverlauf.
Die beiden Hauptdarsteller Bernd J. Arends (Nathan) und Dominik Schulz (Richard) glänzen gesanglich, aber vorallem auch darstellerisch! Beide zeigen eine enorme Bandbreite an Emotionen und reißen den Zuschauer mit.
Begleitet werden sie musikalisch "nur" durch ein Klavier. Ich schreibe das "nur" in Anführungszeichen. Wie schon bei anderen Produktionen (z.B. "Die Tagebücher von Adam und Eva") hat es sich gezeigt, dass es oft nicht mehr bedarf als ein Klavier und zwei Personen um den Zuschauer zu fesseln.
Gleiches gilt übrigens für Bühnenbild und Kulisse. Eine flackernde Glühbirne, ein paar Holzpaletten und schon ist man dort wo man sein soll - Mitten in der Handlung.

Was am Off-Broadway erfolgreich funktionierte, begeisterte auch in Datteln das Publikum. 
Danke an Bernd J. Arends und das Katielli-Theater und den Mut frischen Wind nach Deutschland zu holen, etwas zu probieren, kleine Stücke bekannt zu machen und mit kleinen Mitteln ganz, ganz große Wirkung zu erzielen.
Ich kann mich nur wiederholen! Katielli: Ein Geheimtipp mit viel Herz! (Gleich links hinterm Broadway)!

Samstag, 6. Oktober 2012

Dirty Dancing, Oberhausen

Ich glaube, ich habe den Film mit 12 zum ersten Mal gesehen. Meine Güte, was war ich in die Musik, die Tanzszenen, die Geschichte und ein kleines bisschen natürlich auch in Patrick Swayze verknallt.  Ein richtiges Mädchen halt! Heute hat der Film Kultstatus und auch wenn man sich der Schwächen als Erwachsene mittlerweile durchaus bewusst ist, kann man sich aus nostalgischen Gründen durch das Einlegen der DVD innerhalb kürzester Zeit wieder gut zwei Jahrzehnte jünger zu machen.


Ich weiß noch, dass ich mir damals wünschte "mitten drin" zu sein. Eigentlich also eine gute Idee den Lieblingsfilm aller kleinen und großen Mädchen auf die Bühne zu bringen. Tolle Musik, Tanzszenen... die große Liebe... Eigentlich ist der Stoff wie gemacht für das Musicaltheater.

"Es war der Sommer '63. Alle nannten mich "Baby". Irgendwie hat mir das gefallen. Es war bevor Präsident Kennedy ermordert wurde, bevor es die Beatles gab und als ich nicht abwarten konnte der Friedensbewegung anzugehören. Das war der Sommer, als ich dachte, dass ich nie einen Jungen finden würde, der so toll ist wie mein Dad. Es war der Sommer, den wir bei Kellermans verbrachten."

So beginnt der Film und ich könnte ihn endlos weiter zitieren, weil ich ihn anscheinend tatsächlich auswendig kenne.
Trotzdem bin ich weder direkt nach Hamburg gefahren noch nach Berlin oder London. Und meine Begeisterung, als das Stück nach Oberhausen kommen sollt hielt sich ebenfalls in Grenzen. Warum? Wo ich doch anscheinend "nicht nur schlichtes Wasser in den Adern" habe? Vielleicht grade deshalb!
Jeder Ausschnitt, den ich bei Galas oder in Fernsehsendungen gesehen hatte hielt mich davon ab.
Und doch ließ mich die Neugier nicht so ganz vom Haken und Jahre nach der Premiere nutzte ich dann doch die (so ziemlich) letzte Gelegenheit und den letzten Samstag Abend vor der Derniere, um mir das Stück doch noch anzusehen.

Gott sei dank ging ich mich sehr geringen Erwartungen ins Metronom. Ja, es ist kein richtiges Musical - die Hauptdarsteller singen nicht, es kommt viel vom Band oder wird von Solisten neben der Bühne gesungen. Das Stück ist eher Dialoglastig und es wurden sehr viele Änderungen vorgenommen.

Vielleicht gehöre ich (zumindest in diesem speziellen Fall) zu den Menschen, die mit diesen Abwandlungen nicht gut umgehen können. Für mich stellte sich während des Stücks einfach kein "Dirty-Dancing-Gefühl" ein.

Das hatte verschiedene Gründe! Allen voran: Nicht eine Textzeile wurde aus dem Film übernommen. Alles wurde leicht oder sehr drastisch abgeändert.
Auch bei den Nebenhandlungen hat man "neue" Szenen reingebracht, die -meiner Meinung nach- dort nichts zu suchen hatten. Da war zum Beispiel die Kennenlern-Geschichte der Eltern, Billy auf der Suche nach einer Freundin, Neil auf dem Weg zum Protest gegen Rassentrennung. Löblich, aber unnötig! Wenn schon Dirty Dancing, dann auch bitte so wie man es kennt... Mag jeder anders empfinden - Bei der Vermusicalung dieses Filmes wollte ich "dass alles so ist wie immer".

Hinzu kam, dass mich leider auch die Darsteller nur zum Teil überzeugen konnten.
Dániel Rákasz als Johnny Castle war leider überhaupt nicht mein Fall.
Katja Hentschel und Steffen Laube als Babys Eltern spielten fürchterlich aufgesetzt und überzogen, so dass mir beide in diesen Rollen auch nur wenig sympathisch waren.
Richtig toll hingegen haben mir Baby alias Verena Raab und Johanna Spantzel als Lisa gefallen.
Die zwei haben viel für mich rausgeholt. Verena wirkte sehr "Baby"-like und man hätte sich fast der Illusion hingeben können Jennifer Grey auf der Bühne zu sehen. Katja spielte ihr Talent für Komik voll aus und so wurde ihr Hula-Hana Song, den sie herrlich schräg interpretierte zu meinem heimlichen Highlight des Abends.
Penny wurde von Marie-Luisa Kasta gespielt. Eine tolle Tänzerin und als Schauspielerin solide.
Als Neil stand Matthias Bollwerk auf der Bühne. Grundsätzlich mag ich ihn als Darsteller sehr gerne. Leider hatte seine Rolle absolut nichts mit dem Neil zu tun, den man aus dem Film kennt. Das scheint so gewollt zu sein - mir hat der schleimige Sohn der Geschäftsleitung irgendwie gefehlt.

Ich höre mich an wie ein quängelndes Kind, ich weiß! Aber ich habe mich wirklich (leider) an vielen Punkten gestört. Trotzdem waren auch tolle Momente dabei. Zum Beispiel hat mir die Kulisse gut gefallen und ich mochte es wie viele Szenen umgesetzt wurden. Da war unter anderem die Szene in der Baby und Johnny die Hebefigur im Wasser üben. Der Effekt mit der Leinwand und dem darauf projezierten See war sehr wirkungsvoll. Auch sonst haben die Bühnenbildner ganze Arbeit geleistet.
Die Tanzszenen waren sehr stark. An diesen Stellen lohnt es sich natürlich schon live im Theater zu sitzen. Vorallem auch, weil das (überraschend zahlreiche) Publikum recht begeistert darauf reagiert hat.

Trotzdem würde ich die DVD dem Musical jederzeit vorziehen - insbesondere wenn man bedenkt, dass die DVD im Vergleich zum Musical natürlich nur einen Bruchteil kostet.

Der Film wird immer zu meinen Lieblingen gehören. Wenn ihr mal Zeit habt: Vergleicht die deutsche Übersetzung mit dem englischen Original und ihr werdet feststellen, dass die Damen und Herren Übersetzer anscheinend einen Clown gefrühstückt hatten. Teilweise eine sehr freie Interpretation des englischen Textes, aber auf unvergleichliche 80er Jahre Art mittlerweile einfach nur Kult und saukomisch.
Vielleicht hat man sich beim Libretto des Musicals an dem englischen Originaltext orientiert. Das könnte es möglicherweise erklären... Ist aber wirklich zu schade, weil man sozusagen keinen (Textbau)stein auf dem anderen gelassen hat.

Aber so konnte ich mir während langatmiger Szenen die Zeit damit vertreiben, innerlich die Dialoge zu korrigieren.

Insgesamt war es für mich ein eher "durchwachsenes" Theatererlebnis. Kein typisches Musical, aber das muss es für mich auch nicht unbedingt sein. Ich habe zum Beispiel "Backbeat" in London gesehen, das auch eher ein Theaterstück mit Livemusik war, und war begeistert. Trotzdem wollte der Funke bei Dirty Dancing nicht so recht überspringen. Aber seis drum. Ich hab es nun gesehen und trotz aller Kritik, habe ich auch positive Momente mitgenommen. Nicht viele, aber doch ein paar. Nochmal gucken würde ich es allerdings wohl nicht.