Freitag, 30. September 2011

Wenn Rosenblätter fallen, Datteln


Was für ein emotionaler, mitreißender Abend! Ich wurde gewarnt, nicht ohne eine Packung Taschentücher nach Datteln zu fahren, aber dass es so schlimm würde... Oha - das hätte ich nicht gedacht.

Datteln, Datteln.... das ist doch gleich hinterm Broadway links, oder?! JA ist es! Datteln ist da wo das weltberühmte Katielli-Theater steht, nicht wahr? Naja der Weltruhm ist vielleicht noch ein bißchen woanders beschäftigt, aber das Katielli ist ein echter Geheimtipp und definitiv ein Theater in das man sich sofort und unwiderruflich verknallt. Hier merkt man so deutlich wie sehr Theater, Kunst und Leidenschaft zusammenhängen. Und das tut sooo gut!

Aber nun zum Stück:
Und das Katielli darf zu Recht stolz sein, die Vorpremiere für die Rosenblätter zeigen zu dürfen, bevor das Stück nach Hamburg und Wien geht. Auf der Homepage findet man eine Stückbeschreibung, die ich nicht besser in Worte fassen könnte, deshalb bin ich hier mal so dreist und kopiere sie:

Wenn Rosenblätter fallen erzählt die Geschichte des 19-jährigen Till, dessen alleinerziehende Mutter Rose kürzlich an Krebs verstorben ist. Von nun an auf sich allein gestellt bleiben ihm allein die Erinnerungen und die Briefe, die ihm Rose vor ihrem Tod geschrieben hat, damit sie ihn durch sein Leben begleiten. Der Schmerz und die Trauer über den noch nicht verarbeiteten Verlust werden stärker, als Till im Studium die gleichaltrige Iris kennenlernt. Beide kommen sich rasch näher, doch auf verstörende Weise erinnert sie Till mit ihrer quirligen und offenen Art an seine Mutter. Hin und hergerissen zwischen Liebe und Trauer wirft er sie schließlich hinaus und sucht Halt in den Briefen, die seine Mutter ihm hinterlassen hat. Noch einmal durchlebt Till ihre letzten gemeinsamen Monate, Roses Kampf gegen den Krebs, Momente der tiefsten Verzweiflung, aber auch der Hoffnung und Liebe.
Er erkennt, dass er sich seinen Gefühlen und der eigenen Rolle in dieser Geschichte stellen muss, um die Vergangenheit zu bewältigen. (Quelle: http://www.rosenblaetter-musical.com/SHOW.html).

Schon beim Lesen ahnt man, welch emotionales Potential in diesem kleinen aber innerlich riesengroßen 3-Personen Stück steckt und wenn ich daran denke bekomme ich gleich wieder einen Klos im Hals!
Das Stück spielt auf 2 verschiedenen Zeitebenen, die sich immer wieder vermischen. Kaum eine Szene, die einen nicht mitreißt und nicht in den Bann schlägt. Man durchlebt hautnah zusammen mit Till Glück und Trauer, Ängste, Hoffnungen und Verzweiflung und fühlt sich am Ende der 2 Stunden im Theater, als hätte man all das selber durchgemacht. Das Stück nimmt einen stellenweise so mit, dass man meint platzen zu müssen. Im kleinen Theatersaal gab es wohl kaum ein Auge das wirklich trocken geblieben ist. Schon in der Pause sahen viele Zuschauer recht verquollen aus. Aber immer wieder gab es auch lustige Abschnitte, sodass man sich fühlte als säße man in einer Achterbahn.
Die Musik hat - neben vielen Dialogszenen - eher noch unterstützenden Charakter. Vielleicht nicht unbedingt Ohrwürmer für "Nebenbei", aber auch die Lieder reißen einen "rauf und runter".
Ach Mensch... eigentlich fehlen mir die Worte, das alles zu beschreiben. Doch ich hoffe zumindest einen Hauch dessen wiedergeben zu können.

Die Darsteller: 
Genauso geht es mir, wenn ich versuche etwas zu den Darstellern zu sagen, denn natürlich hatten die drei den Hauptanteil daran, dass mich das Stück so mitgenommen hat.
Mir schwirrt die ganze Zeit das Wort "Leidenschaft" im Kopf umher. Natürlich hat man ganz besonders mit Till und Rose gelitten.


Dirk Johnston in der Rolle des Till hat mich unglaublich beeindruckt. Ich hatte ihn schonmal bei Bonifatius auf der Bühne gesehen, aber im Gegensatz dazu konnte er hier eine ganze Bandbreite von Gefühlen darstellen (Ich mag solche Rollen, die sich immer weiterentwickeln ganz besonders). Er hat das so authentisch getan, dass es mich komplett umgehauen hat. In jeder Sekunde war man mit in seinem Gefühlsstrudel.
Auch Carin Filipcic, die die Rose gespielt hat, war in ihrer Rolle schlicht grandios! Ganz die liebende Mutter, die versucht stark zu sein. Als sie dann doch immer schwächer wird, leidet man doppelt mit, weil sie einem in kürzester Zeit ebenfalls ans Herz gewachsen ist.
Als Iris hatten wir die alternierende Besetzung Stefanie Köhm, die mir bislang noch unbekannt war. Eine Sekunde lag war ich ein wenig enttäuscht, weil ich mich total auf meine Lieblings-JANA Stelley gefreut hatte. Wenn ich drüber nachdenke, dann ist die Rolle Jana praktisch auf den Leib geschneidert.. Aaaaaber Stefanie spielte meine Enttäuschung ratz-fatz weg.


Sie wirbelte über die Bühne, war ein bißchen chaotisch, lachte viel, war aufbrausend und einfach... ja wie soll man es anders beschreiben... einfach präsent. Genau das was Till brauchte (und genau das was wir alle brauchten - ich hab ja schon gesagt... irgendwie war man 2 Stunden lang in Tills Gefühlswelt).
In der Pause hörte ich jemanden fragen, ob Jana eigentlich eine Schwester hat. Ich würde sagen: Wenn ja, dann heißt sie bestimmt Stefanie Köhm!!! Super!

Fazit:
Ich habe munkeln gehört, dass es vielleicht bald nochmal ein paar Termine geben wird... (Update: jap: am 19.+20.10.2011). Ich wär sofort dabei! Das Stück ist - genau wie das Theater - eine wahrhafte Entdeckung und ich bin dankbar, dass ich diese Entdeckung machen durfte!!! Mist - ich hab schon wieder feuchte Augen! :) Ich Heulsuse...!


Nutzt die Gelegenheit:
5.-10.10.2011 in Hamburg (Kehrwieder Theater)
19.+20.10.2011 erneut in Datteln (Katielli Theater)
29.10.-03.11.2011 in Wien (Akzent Theater)


PS: Die Fotos sind diesmal nicht von mir, aber ich danke der "Fotografin" dafür, dass ich sie verwenden durfte.

Samstag, 24. September 2011

Ich bin Musik (Patrick Stanke - Solo), Oberhausen


WOW! Ich hatte schon öfter einen Blog mit dem Wort als Fazit enden lassen. Nun fange ich einfach mal ganz dreist mit damit an! Mal sehen, ob mir noch mehr einfällt.
Wenn man Synonyme googlet findet man: Bonfortionös (nie gehört, aber ab heute ein Lieblingswort), super, großartig, toll, Erstaunen, hurra, bezaubernd, hinreissend, außer sich, entzückt, hingerissen, neben sich stehen, elektrisiert, beglückt, cool, derbe, geil, klasse, toll.
Ende des Berichts :)

Quelle: Sound of Music - Concerts

Nein, keine angst - es geht noch weiter bzw. ich fang jetzt an!

Wie wir vorher festgestellt hatten, gab es 1 Jahr und eine Woche nach dem Kartenkauf nun endlich die Leistung für den gezahlten Preis (mit Zins und Zinseszins). Sound of Music-Galas sind - wie bei anderen Events mehrfach festgestellt - immer sehr gut organisiert. Man kann sich immer sicher sein, eine perfekte Show geboten zu bekommen. Vielleicht hin und wieder ein bißchen zu perfekt?! Neinneinneinneinnein... ich will nicht hier rumkritteln, dass würde auch nicht mit dem Einführungswort übereinpassen. Trotzdem - Weder bei "Ich gehör nur mir" noch bei den "Musical Tenors" gab es wirklich Raum für Spontanität. Grade wer schonmal bei SOS war, fragt sich wie Patrick Stanke da eigentlich reinpasst. Ich für meinen Teil war also doppelt gespannt auf die Show.

Seit 10 Jahren steht er auf Musical Bühnen und hat schon -zig Rollen gespielt. Da dies eine Art Jubiläumskonzert war, durfte man sich zu Recht auf einen Querschnitt dieser 10 Jahre freuen und somit auf viele tolle Musical-Songs aus Stücken wie Titanic, Aida oder Mozart.

Quelle: SoundOfMusicConcert - Kanal auf Youtube

Special Guest:

Das Konzert war als Solo-Konzert angekündigt worden - um so mehr freute ich mich (und mit mir viele andere), dass es einen ganz speziellen Special Guest gab. Zusammen mit Patrick stand Sabrina Weckerlin auf der Bühne. Perfekt, perfekt, perfekt!!! Die Zwei im Duett sind einfach hinreißend. Sie harmonieren wundervoll zusammen und haben ja auch schon einige Male gemeinsam gespielt.

Quelle: Sound of Music (c) Birgit Bernds
Sabrina war sehr viel mehr als nur ein Special Guest. Sie war schlicht "ein Traum"! Sie schlüpfte nicht nur in ihre üblichen Rollen als Magrid Arnaud, Lucy oder Constance, sondern man sah sie auch in "neuen" Rollen, von denen man gar nicht genug bekommen konnte.

Das Konzert:
 
Das Konzert war in mehrere Blöcke eingeteilt, die Patricks musical(ischen) Werdegang wiederspiegelten.
Die Fahrt begann auf der MS Titanic - Lang ist es her und doch immer noch wunderschön! Leider hatte ich das Schiff vor 10 Jahre verpasst, aber nun einen Eindruck davon zu bekommen war einfach genial.

Weiter ging es mit "Die letzten 5 Jahre". Ich hab das 2 Personen Stück im vergangenen Jahr schonmal in anderer Besetzung gesehen, aber seit Samstag hoffe ich inständig vielleicht nochmal eine Neuauflage mit Patrick und Sabrina in den beiden Rollen sehen und hören zu können. Besonders "Ich steh weinend da" von Sabrina hat mich wahnsinnig beeindruckt! Und auch bei "Keiner muss das erfahrn" von Patrick hatte ich Gänsehaut bis zur Decke! 

Genau wie bei den nachfolgenden Blöcken (Jesus Christ Superstar und Jekyll & Hyde) hatte ich den dringenden Wunsch bitte gleich das ganze Stück in dieser Besetzung zu sehen. 
Quelle: Sound of Music (c) Birgit Bernds

Nach der Pause ging es dann mit Oklahoma weiter. Patrick hantierte die ganze Zeit an dem Koffer herum, der als roter Faden in die Show eingebaut war und zauberte passend zu dem Cowboystück 2 verschiedene Hüte hervor, die er abwechselnd trug. Oklahoma... ja, ja! 
Seit ich die Radioaufzeichnung in Köln gesehen habe, überkommt mich hin und wieder ein Ohrwurm von "So hoch steht der Mais dort im Frühsonnenschein". Ja klar, ein Lied über Mais und weißbraune Kälbchen... Das ist auch genau mein Musikgeschmack *Ironie aus*... aber ist ja auch egal! Solang es "wunderschön" ist :) und das ist es komischerweise!

Danach folgten Kostproben aus "3 Musketiere" und "Aida". Gespikt mit lustigen Anekdoten über Strawberry Cheesecakes von Starbucks und fliegenden Gummibärchen und Pralinenschachteln. Alle Sorgen, dass es eine Show ohne lustige Einlagen würde, waren vollkommen unbegründet. Patrick lässt sich sprichwörtlich nicht die Butter vom Brot nehmen! Und das ist auch gut so!

Einleitend zum Marie Antoinette Teil gab es eine kleine Lesung aus dem Japan-Reisetagebuch. Zu Recht fühlte man sich ein bißchen an ein SOS-Fundstück der Woche erinnert - So kennt und liebt man den Spinner aus Wuppertal und das meine ich - mal wieder - absolut positiv!
Der Marie Antoinette Teil enthielt eine schöne Überraschung. "Ich weine nicht mehr" gab es als Duett in englischer Sprache. Für mich eins der absoluten Highlights des Abends. Dabei ist es ganz schön schwierig sich für ein Highlight zu entscheiden... Irgendwie war es mal wieder ein Highlight-Abend, bei dem man so ziemlich bei jedem Lied mit Gänsehaut und offenem Mund im Publikum saß und sich nicht satthören konnte. Ich sag ja: WOW!

Im letzten Block wurden ein paar Lieder aus dem Levay/Kunze Musicalerfolg Mozart gesungen. Wieder hatte ich den dringenden Wunsch am liebsten das ganze Stück zu sehen und zu hören. Aber dieses Gefühl hatte mich ja eh schon den ganzen Abend verfolgt. Aber was für ein grausames Leben.... für alle Songs war leider wieder keine Zeit. Mit einem der ergreifensten Liedern überhaupt "Wie wird man seinen Schatten los" ging das Konzert allmählich dann doch dem Ende entgegen. Mit verdienten Standing Ovations nach einer gewohnt genialen Mozart-Performance verabschiedete sich Patrick vom Publikum!


Quelle: Sound of Music-Concerts auf Facebook

Zum Glück gab es noch zweieinhalb Zugaben. Bei "Du warst mein Licht" begleitete sich Patrick erstmals an dem Abend selber am Klavier. Das Lied hatte er auch schon bei den "Musical Tenors" Konzerten gesungen und wir dürfen uns wohl auch drauf freuen, dass es mit auf seiner 2. Solo CD sein wird. Ich kann es kaum erwarten und hoffe, dass sie bald erscheint. Patrick peilt für die Veröffentlichung Ende des Jahres an. Hoffen wir, dass wir vom gleichen Jahr sprechen^^. 
Ansonsten haute wieder Marina Komissartschik in die Tasten. Ich finde keine Formulierungen, die ihr gerecht werden und greife mal wieder auf die altbewährte Aussage zurück, dass diese Frau mit ihrem Klavierspiel ein ganzes Orchester ersetzen kann. Unglaublich! Ich bin kein großer Freund von rein instrumentaler Musik, aber ehrlich: Wenn sie mal ein Solokonzert geben würde... Ich wär dabei!

Durch Patrick habe ich schon viele tolle, unbekanntere Musicals kennengelernt (z.B. das sehr zu empfehlende Stück "Bare") und auch an diesem Abend ließ er es sich nehmen als Zugabe wieder ein etwas für uns auszugraben und vorzustellen. Diesmal war es ein Lied aus dem Stück "Street-Scene".

Ich kann nur sagen: Er ist Dur und er ist Moll er ist Akkord und er ist Melodie!
Was für ein wahnsinnig schöner Abend, der dringend, dringend, dringend wiederholt werden muss! Und die Reaktion des Publikums, das mal wieder ganz außer sich war vor Begeisterung sollte auch dafür sprechen!!!
Für mich das tollste SOM-Konzert bisher und einfach (moment ich muss oben nachgucken): BONFORTIONÖS!!!!!!!!!!!!!



Und hier nochmal die Setlist auf einen Blick (Ich hoffe ich hab nichts vergessen).

 Erster Akt

1. Ich bin Musik - Mozart

Titanic:
2. Gute Fahrt (Chor)
3. Barretts Lied
4. Der Heiratsantrag

Die letzten 5 Jahre:
5. Meine Göttin
6. Ich steh weinend da (Sabrina Weckerlin)
7. Keiner muss das erfahrn

Jesus Christ Superstar:
8. Hosana (Chor)
9. Gethsemane

Jekyll & Hyde:
10. Ich muss erfahrn
11. Ein neues Leben (Sabrina Weckerlin)
12. Ein gefährliches Spiel (Duett mit Sabrina Weckerlin)
13. Dies ist die Stunde

Zweiter Akt

Oklahoma:
14. Wunderschön ist dieser Morgen

3 Musketiere:
15. Constance
16. Vater
17. Gott lächelt uns zu (Sabrina Weckerlin)
18. Alles (Duett mit Sabrina Weckerlin)

Aida:
19. Der Brief
20. Wer was wagt der gewinnt
21. Die Wahrheit (Sabrina Weckerlin)
22. Durch das Dunkel der Welt (Duett mit Sabrina Weckerlin)

Marie Antoinette:
23. Ich lieb dich mehr denn je 
24. Blind vom Licht der Kerzen (Sabrina Weckerlin)
25. englische Version von "Ich weine nicht mehr" als Duett mit Sabrina Weckerlin

Mozart:
26. Mozart (Chor)
27. Was für ein grausames Leben
28. Dich kennen heißt dich lieben (Duett mit Sabrina Weckerlin)
29. Wie wird man seinen Schatten los

Zugaben:
30. Du warst mein Licht
31. Street Scene/Arioso: Lonely Home
32. Ich bin Musik (Reprise)

Samstag, 10. September 2011

Freitag, 2. September 2011

Wicked XII, Oberhausen (Derniere) - Der letzte Vorhang für die Hexen

Also, ich brauche grade ein bißchen Mitleid (und nicht nur wegen des Themas) - Blogspot hat eigenmächtig einen Viertel meines Berichtes nicht gespeichert... Ich beginne jetzt wieder bei Null. Wie war noch gleich mein erster Satz bevor alles weg war? Ach ja:

Ich überlege die ganze Zeit wie ich anfangen soll. Dernieren lösen immer sehr ambivalente Gefühle aus. Natürlich freut man sich auf eine ganz besonders emotionale Show, aber gleichzeitig heißt es danach Abschied nehmen und das fällt naturgemäß immer schwer. Ich hab schon mehrere "letzte Vorstellungen" gesehen, aber die Hexen sind mir so sehr ans Herz gewachsen, dass ich schon ein bißchen "Angst" vor dem finalen Vorhang hatte. Vernünftig und neutral gesehen: Kein Stück kann ewig gespielt werden. Aber wer ist schon vernünftig und neutral? Mir werden die Hexen fehlen - sowasvon!
Ich glaube und hoffe allerdings, dass es kein Abschied für immer ist und auch wenn es nicht das selbe ist: Es hilft schon ein bißchen, dass es erste grüne Lebenszeichen aus Holland gibt und dass ich auch schon einen Besuch in der OZ-Zweigstelle in London im Blick habe.
Aber machen wir uns nichts vor: Ich rede mir hier grade was schön. Ich hätte die Hexen viel lieber noch 98792 Jahre in Oberhausen gehabt :)


Doch es ist nicht zu ändern und ich hatte mir fest vorgenommen die letzte Show nochmal so richtig zu genießen! Gegen fünf Uhr kam ich am Metronom an und es versprach wirklich ein ganz besonderer Tag zu werden. Schon auf der Fahrt dorthin haben mich und habe ich verdächtig viele Autos mit Musicalaufklebern und pink/grünen Insassen überholt und auch zwischen dem Theater und dem Centro pendelten außergewöhnlich viele Hexen in Elphabaröcken oder mit pinken Blumen im Haar umher.

Die Show war schon seit Wochen bis auf den letzten Platz ausverkauft. Etwas verwunderlich ist es deshalb, dass kurz vor Beginn noch ziemlich viele Plätze im vorderen Bereich frei blieben. Hatte die Stage Plätze für irgendwelche Leute geblockt, die dann doch keine Lust hatten? Sehr seltsam und ärgerlich für alle Wicked-Fans, die keine Karten mehr bekommen haben. Ich weiß, dass es da einige gibt, die sich nun wohl zu recht ärgern werden!
Zum Glück hatten wir früh gebucht und sehr gute Karten weit vorne bekommen, sodass wir die Show hautnah genießen konnten.

Die Besetzung war keine große Überraschung, denn natürlich spielte am letzten Abend die Hauptcast, aber auch im Publikum entdeckte man viele bekannte Gesichter. Willemijn Verkaik und ihr Mann ließen sich die Derniere ebensowenig entgehen wie die alternierenden Besetzungen und weitere Ensemblemitglieder die nicht auf der Bühne standen.

Hier aber erstmal die Castliste:


Als sich um halb acht der Vorhang hob, setzte gleich ein wehmütiges Gefühl ein. Egal was auf der Bühne passierte - immer hatte man im Hinterkopf: Das letzte Mal...

Glinda erschien unter tosendem Applaus im Bubble und nicht nur sie hatte feuchte Augen. Das sollte sich den ganzen Abend über auch nicht mehr wirklich ändern. Ich meine es durchaus nicht desrespektierlich, wenn ich Joana als Heulsuse des Abends bezeichne ;-) Sie quietschte und gackerte, hüpfte und kiekste, dass es eine Wonne war, aber immer wieder füllten sich ihre Augen mit Tränen und auch ich stand immer sofort mit unter Wasser^^! Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass das Gehirn imitiert was das Auge sieht: Wenn jemand gähnt, gähnt man auch. Wenn jemand heult... Ihr wisst schon: Rudelheulen.


Sind euch schonmal bei "Was fühl ich in mir" die Tränen gekommen? Mir bisher noch nie, das war eine Dernieren-Premiere. Herzallerlieblingstes Mamsilein *Stimme zittert*, süßester *schnief* Papsipups *heul*
Ich hatte alle naselang das Bedürfnis auf die Bühne zu klettern um Joana in den Arm zu nehmen. Jedesmal wenn ich das Bild sehe, will mein Hirn wieder imitieren^^
Aber natürlich gab es über Joanas Glinda auch wieder viel (vielleicht sogar mehr als sonst) zu lachen. Je häufiger ich sie in der Rolle sehe, desto mehr verfalle ich ihrem Witz. Ich hab das ja auch schon in den anderen Berichten geschrieben: Ich könnte mich jedesmal kringeln, wenn sie anfängt Worte und Satzteile komplett überspitzt zu betonen und auch in  Passagen, in denen sie keinen Text hat durchaus geräuschvoll zu agieren. Das kann man nicht in schriftliche Worte fassen, das muss man erlebt haben. Ich hoffe sehr, das habt ihr!

Besonders emotional waren natürlich alle Parts die Joana und Roberta zusammenspielten, denn auch Roberta ist ja bekanntlich recht nah am Wasser gebaut. Elphaba hatte verdächtig rote Augen, als sie unter lautstarkem Jubel das erste Mal auf der Bühne erschien. 


Aber auch an ihrem letzten Arbeitstag in Grün ging Roberta voll zur Sache: Als Fiyero pennend im Wagen auf die Bühne gekarrt wurde, trat sie so heftig dagegen, dass der junge Herr vermutlich nicht nur wach wurde, sondern auch knapp an einem Schleudertrauma vorbeischrammte. Im Ernst: Der arme Anton flog fast aus dem Wagen bei soviel Power. Diese "Kleinigkeiten" wurden vom Publikum natürlich besonders begeistert aufgenommen, denn (leider) hat die Stage anscheinend wieder auf "Business as usual" bestanden! Sprich, es gab so gut wie keine Dernieren-Scherze, wenn man mal davon absieht, dass Elphabas Hexenhut kurzzeitig mit grünem und pinken Schleifenband verziert war. Warum wieder keine Scherze zugelassen waren, weiß der Teufel (...wo der arbeitet weiß ich gar nicht so genau...). Gerüchte dass der Wicked-Fanclub sogar daran gehindert wurde Knicklichter zu verteilen kamen mir zu Ohren. Sollte das so gewesen sein, konnten doch eine ziemliche Anzahl an Leuchtstäbchen ins Theater geschmuggelt werden, denn bei "Wie ich bin" leuchtete der Saal natürlich trotzdem wunderschön in Pink und Grün auf. Ich bin der Meinung, dass alles andere auch eine Schande gewesen wäre. Wenn einen ein Stück über soviele Monate oder sogar Jahre begeistert hat, ist es doch wohl das mindeste sich gebührend von der tollen Cast verabschieden zu dürfen.


Halt Stopp - Ich will mich jetzt nicht zu sehr aufregen und schlucke die Kritik an der Produktionsfirma, die tief in mir rumort jetzt mal runter. 
Es ist ja nicht so, als könnten die Darsteller nicht auch ohne große Abwandlungen einen schlichten Freitagabend in ein atemberaubendes Ballkleid *quatsch* einen atemeberaubenden Theaterabend verwandeln. Wusch, wusch!

Wie schon beim Cast-Wechsel im Februar war auch diese Show wieder geprägt von besonders intensiven Spiel der Ozianer, das natürlich den Abschied nicht grade einfacher machte. Ist euch mal aufgefallen wieviele Textpassagen an einem solchen Abend besonders passend scheinen... "Nur ein Tag in der grünen Smaragdstadt" "Ich will mir diesen Moment einprägen", "Wir werden OZ niemals wieder sehen, stimmts?" (Ich hoffe doch nicht!!!) mal ganz zu schweigen von dem Abschiedslied schlechthin. 


Wer bei Passagen wie "Wenn wir uns hier vielleicht auch nie mehr wieder sehen" und "Du warst da, darum hab ich mich verändert" ohne Taschentücher auskommt, dem gebührt zwar mein Respekt, aber auch mein Unverständnis.
Sagte ich schon, dass ich OZ vermissen werde? 12 Shows, davon 10 in Oberhausen, lassen mich nicht unberührt. Mich nicht, die Darsteller nicht und auch aus dem Rest des Publikums waren laute Schluchzer zu hören.

Nachdem frenetisch bejubelten Schlussapplaus erschien dann auch ein "Offizieller" auf der Bühne der eine kleine Rede vorbereitet hatte. Er dankte nicht nur den Darstellern auf der Bühne, sondern auch allen Mitarbeitern hinter den Kulissen, die ebenfalls wichtig sind, damit allabendlich eine tolle Show über die Bühne geht. Erstmals wurde auch das Orchester auf die Bühne beordert.

Ein Gesicht kam mir auch hier sehr bekannt vor. Marina Komissartchik, die auch bei vielen tollen Sound-of-Music Veranstaltungen Klavier spielt.

Im Anschluss wurde jeder einzelne Darsteller namentlich verabschiedet und auch die alternierenden Darsteller erschienen auf der Bühne und bekamen ihren verdienten Applaus.


Hier noch ein paar Fotos um das Ende noch ein bißchen rauszuzögern...




Und dann schloss sich der Vorhang tatsächlich zum letzten mal. Langsam sickert die Erkenntnis auch bei mir durch. Bisher hatte ich nach jedem Oz-Besuch das Bedürfnis wiederzukommen. Und nu???!

Mit dieser Frage schließe ich meinen Dernieren Bericht. Es war eine tolle, emotionale Show und eins der schönsten Musicals verlässt Deutschland (und zwar in rasendem Tempo: Schon als wir aus dem Theater kamen, mussten wir mit ansehen, wie die ersten Requisiten und Kostüme in LKW mit holländischen Kennzeichenn gepackt wurden... Wie bizarr, wie bizarr!). Was soll diese Lücke füllen?! Weiß der Teufel...

MOMENT: Etwas fehlt aber doch noch:
DANKE für alle tollen Shows, die ich erleben durfte!!!!