Montag, 15. März 2010

Mark Seibert - Musical Ballads

Trackliste:
You'll be in my heart (Tarzan)
No one but you (We will rock you)
She's like the wind (Dirty Dancing - mit T.Borchert)
Maria (West Side Story)
Solang ich dich hab (Wicked - mit W.Verkaik)
Sunset Boulevard (Sunset Boulevard)
I will be there (Count of Monte Cristo)
Go the Distance (Herkules)
Durch das Dunkel der Welt (Aida - mit A.M.Gomes)
Gethsemane (Jesus Christ Superstar)
Du bist meine Welt (Rudolf - mit A.M.Gomes)
A light in the dark (Next to Normal - mit E.Hunter)
Moon River (Breakfast at Tiffanys - mit L.Perman)

Die "Musical-Ballads" sind meiner Meinung nach ein rundum gelungenes Album eines Musicaldarstellers.

Viele Darsteller neigen dazu Alben rauszubringen die genau die Stücke enthalten, die man ohnehin schon von ihnen kennt. Mark Seiberts Solo ist hingegen sehr abwechslungsreich und doch in sich stimmig. Von "Solang ich dich hab" aus Wicked einmal abgesehen, sind auf der CD nur Stücke zu hören, die noch auf keinem anderen Musicalalbum von ihm veröffentlicht sind, auch wenn er die Rollen teilweise gespielt hat (z.B. Radames in Aida).

Alle Songs passen gut zu seinem Typ und seiner Stimme, die Duettpartner sind sehr sorgfältig ausgewählt worden und harmonieren wunderbar. Vielleicht muss Mark ein bißchen aufpassen, dass er nicht nur auf seine Balladen festgelegt wird. Sein Gethsemane ist mir z.B. ein bißchen zu "leidend" und zu wenig abwechslungsreich. Jedoch trübt das den guten Gesamteindruck kaum!
Als besonders positiv empfinde ich, dass nicht nur die "üblichen" Songs ausgewählt wurden, sondern dass auch hier die Mischung aus Klassikern (West Side Story), aktuellen (Tarzan) und vielleicht etwas unbekannteren Stücken (Next to Normal) passt.

Bei den Arrangements wurde nicht experimentiert - für mich ebenfalls ein Pluspunkt- denn aus einem schönen Lied auf Teufel-komm-raus etwas Neues machen zu wollen, geht oft schief und ist auch selten gewollt! 

Ein wirklich wunderschönes Album, dass ich jedem der Musicals mag ans Herz legen möchte!





Sonntag, 28. Februar 2010

Starlight Express, Bochum

Untertitel: Kindheitserlebnisse lassen sich nur schwer nachholen :))
 
Als das Stück nach Deutschland kam, war ich altersmäßig U 10 und wollte es unbedingt sehen. Meine Eltern sind jedoch ohne mich nach Bochum gefahren - Es muss wohl Gründe gehabt habe, ich weiß es nicht mehr... Seit dem (wir reden von den 80er Jahren), hat meine liebe Mutter versucht mir Karten für dieses Musical zu schenken, aber plötzlich kam mir alles andere immer interessanter vor als Rollschuhfahrende Züge.... Musicalgutscheine hab ich dann in andere Musicals investiert und auch sonst war mein Gedanke jedesmal: Starlight Express... Bochum... naja, da kann man ja immer noch hin, jetzt lieber nach *setze beliebige ganz weit wegge Stadt ein*.
Nach dem ich also schon (fast) alles andere gesehen habe, hat meine Mutter nunmehr drauf bestanden (ich bin mittlerweile Ü 30 und die 80er sind lange vorbei!!!), nun doch nach Bochum zu fahren! Und da saßen wir dann an der Rollschuh-Rennbahn.

Ich bin mir ganz, ganz sicher, dass ich als Kind absolut begeistert gewesen wäre... Jahaaa, das hört sich schwer nach einem ABER an... und hier ist es: aber als Erwachsene haben mich dann doch einige Dinge gestört: 
Nichts gegen tolle Darsteller aus dem Ausland, nichts gegen Dialekte... doch bei Starlight Express ist es wirklich schwer überhaupt irgendwas zu verstehen. Kevin Köhler, der Casting Gewinner des ZDF hat mich als Rusty auch nur mäßig überzeugt. 
Die Musik und die Geschichte, waren ganz nett, aber so richtig mitgenommen hat mich das Stück nicht. Vermutlich hab ich schon zu viel Vergleichsmöglichkeiten und bin aus dem Starlightexpressalter raus. Es gibt nicht so viele Stücke, denen man wirklich entwachsen kann, aber ich glaube dies ist eins.

So kann man sagen, dass ich einen unterhaltsamen Abend hatte, meine Mutter endlich ihre Schuld eingelöst hat - Danke!! und ich nun auch weiß wie das Rennen ausgeht :) Es hat mich nicht geärgert dort gewesen zu sein, jedoch wird es sehr wahrscheinlich der einzige Besuch in Bochum gewesen sein.

Donnerstag, 28. Januar 2010

Legally Blonde, London

Gestern (30.01.2012) schwirrte die Meldung durchs Netz, dass Legally Blonde im April das Westend in London verlässt. Da wird es Zeit euch die Show nochmal in Blogform ans Herz zu legen.
Ich hab das Stück zweimal gesehen, bin aber bisher nicht dazu gekommen etwas dazu zu schreiben. Das hole ich jetzt gerne nach!


An einem kühlen Januar Nachmittag 2010 stand ich ziemlich unentschlossen und ein bißchen schlecht gelaunt am Leicester Square rum und wußte nicht so recht was ich mit dem angebrochenen Nachmittag anfangen sollte. Als es dann noch anfing zu Regnen, hatten ich und meine wehen Füße irgendwie keine Lust mehr kreuz und quer durch London zu maschieren. Was also tun? Kaffee trinken? Immer ne gute Idee, aber ich hatte wohl schon so ein-zwei Koffeinschübe hinter mir... Ne Show? Ne Show ist immer gut. Welche? Hmmm... Ich weiß nicht mehr genau was "Half-Price"-mäßig zur Auswahl stand, sondern nur noch, dass ich mich schnell entscheiden musste! Fast alles fing in den nächsten 30 Minuten an. Zu meiner eigenen Überraschung hörte ich mich ein Ticket für "Legally Blonde" bestellen.

Damit bin ich ehrlichgesagt ganz schön über meinen Schatten gesprungen, denn um den Film hab ich immer einen weiten Bogen gemacht. Sah mir in der Vorschau immer zu schrill, zu bunt, zu tussig und vorallem viel zu blond aus. Warum es mich also mit meiner etwas angeknacksten Urlaubslaune ausgerechnet ins Savoy Theater zog, kann ich mir nicht erklären. Irgendwie gehöre ich wohl zu der Sorte die gerne mal vermeintlich seltsame Dinge probieren: z.B. Erdnussbutter mit Nutella - nur um dann festzustellen, dass es wie "Snickers" schmeckt.... yammi!
Will sagen: Man soll nicht vorher meckern und den Dingen eine Chance geben! Blablabla... aber jetzt erstmal, wie sonst auch:

Zur Story:
Elle Woods ist blond, trägt am liebsten pink und ihren Schoßhund Bruiser auf dem Arm. Sie lebt in Malibu, hat grade ihren Abschluss in "Fashion Merchandise" gemacht und erwartet den Heiratsantrag ihres Freundes Warner Huntington III um als perfekt, oberflächliches Barbie & Ken Pärchen glücklich und zufrieden zu leben bis... Ach ja - zurück in die Realität. Statt eines Heiratsantrages macht Warner nämlich Schluss und Elle ist am Boden zerstört. Er will Jura studieren und ein erfolgreicher Anwalt werden. Dafür braucht er nicht "Marilyn Monroe" sondern jemand seriöses...


Doch Elle gibt sich nicht so leicht geschlagen, absolviert die Harvard-Aufnahme-Prüfung, folgt ihrem Traumprinzen und mischt die Elite-Uni auf ihre ganz eigene Art auf. Nach und nach findet sie dort echte Freunde und ihre wahre Berufung...

Die Handlung ist erstaunlich amüsant und kurzweilig. Teils quitschig und absichtlich übertrieben, aber weit weniger oberflächlich als ich gedacht hätte und manches mal herrlich ironisch und "sich selbst auf die Schippe nehmend" - ganz wie ich es liebe!
In kürzester Zeit fiel meine mäßige Laune von mir ab und ich hatte einen äußerst lustigen Nachmittag! So kam es, dass ich das Theater drei Stunden später beschwingt und um einige Ohrwürmer reicher wieder verließ!
Apropos Ohrwürmer... Für mich stand sofort fest, dass ich mir die CD kaufen würde.

Die Musik
Die Musik hat mir ausgesprochen gut gefallen. Die Songs sind abwechslungsreich, teils einen Tick ironisch und tragen viel dazu bei, dass man sich in dieses Stück verliebt.
Einige Zeit später erfüllte sich ein Traum für mich: Eine Live-CD vom Londoner Cast und zwar exakt der Cast die ich auch hatte.
Elle Woods: Sheridan Smith
Warner Huntington III: Duncan James
Emmet Forrest: Alex Gaumond
Professor Callahan: Peter Davison
Paulette Buonufonté: Jill Halfpenny
Brooke Wyndham/Shandi: Aoife Mulholland
Vivienne Kensington: Caroline Keiff
Sowas wünscht sich jeder Musical-Fan und auch mir ging natürlich das Herz auf! Ich habe hier im Blog auch eine Rezension zu der Aufnahme geschrieben. 


Wenn ich sie höre, kriege ich gute Laune und deshalb kommt es häufiger mal vor, dass sie den Weg in meinen CD Player findet.

Als ich im November 2011 wieder in London war, brauchte ich nicht lange überredet werden, mir das Stück nochmal anzugucken.
Die Cast hatte gewechselt und auch wenn ich "meine" Original Cast einen Ticken besser fand, so hatte ich doch wieder richtig Spaß an dem Stück.

Kulisse:
Beim 2. Mal hab ich es am selben Tag wie "Ghost" (wieder) gesehen (19.11.2011). Ich erwähne das nur, weil ich jetzt zum Punkt "Bühnenbild" kommen will... Im Gegensatz dazu wirkt die Kulisse nämlich eher billig und man sieht deutlich, dass vieles aus (pinker) Pappe besteht (z.B. das Haus der Studentenverbindung). Stört mich das? Nicht im geringsten! Ich will jetzt nicht sagen, dass das Gegenteil der Fall ist. Ich staune immer sehr über grandiose Hightech Kulissen, auch wenn sie mich ab und an ein wenig überfordern. Nur ist es mir insgesamt nicht so wichtig, solange mich Musik und Cast überzeugen.
Und beides war der Fall.

Fazit:
Wer "Gute Laune Musicals" mag, der sollte sich Legally Blonde nicht entgehen lassen. Mir hat es viel Spaß gemacht! Es läuft nur noch bis April, also jetzt oder nie!

Sonntag, 3. Januar 2010

Elisabeth, Frankfurt

Es wird sicher vielen Leuten nicht gefallen, aber es ist so - Mein Musicaljahr 2010 begann mit einer herben Enttäuschung! Ich falle nicht gerne mit der Tür ins Haus, aber es muss sofort raus, bevor jemand einen euphorischen Musical-Bericht erwartet ;-)

Aus unerfindlichen Gründen hatte ich "Elisabeth" damals in Essen nicht sehen wollen und hab mir - nachdem ich mich viel später dann doch mal näher mit den Liedern und der Geschichte auseinandergesetzt hatte - tiiiierisch in den Hintern gebissen. Denn sowohl die Handlung als auch die Musik ist absolut mitreißend!
Umso glücklicher war ich, als ich erfuhr, dass das Stück auf Tour geht und ich nun doch die Gelegenheit bekam es endlich auch Live sehen zu können.

Aber aus irgendeinem Grund war wohl von Anfang an der Wurm drin. Denn wir waren zu voreilig, als wir beschlossen, dass Frankfurt für uns am nächsten dran wäre, da kurz nach unserer Buchung plötzlich Termine für Düsseldorf bekannt wurden, was viel besser zu erreichen gewesen wäre.
Letztendlich entschieden wir, dann doch den längeren Weg auf uns zu nehmen, um Uwe Kröger in seiner Paraderolle sehen zu können. Ein großer Fan bin ich nicht von ihm, aber die Essener Aufnahme gefällt mir recht gut und da ein Máté Kamrás hier ja eh nicht zu bekommen ist, wollte ich schon ganz gerne den Ur-Tod auf der Bühne sehen.
Also bei Schnee und klirrender Kälte auf nach Frankfurt. Mit dem Zug und mit der Übernachtung dort, war es insgesamt ein ziemlich teures Vergnügen, zumal die Preise für die Tourproduktion auch erstaunlich gepfeffert waren.
Im Theater dann die erste Enttäuschung: Unsere Plätze waren arg weit hinten UND in der "Alten Oper" gab es keine Ansteigung. D.h. eine tolle Sicht ist was anderes!
Die zweite Enttäuschung war das Bühnenbild. Ich persönlich brauche nicht zwingend eine opulente Kulisse um glücklich zu sein, auch wenns natürlich was hermacht. Hier jedoch war es zu wenig um zu beeidrucken, zuviel um nicht negativ abzulenken... Am meisten gestört hat mich die, in einzelne Blöcke unterteilte Projektionsleinwand und die schlecht darauf projezierten Bilder. In dieser Leinwand waren "Tore", die bei Bedarf nach oben aufgezogen wurden (was nicht grade geräuschlos von Statten ging).
Ansonsten erinnerte die Kulisse an die Wiener Fassung, die mir zum Teil auch schon ein bißchen spartanisch vorkam - aber das Bühnenbild ist zweitranging, wenn die Darsteller es schaffen einen umzupusten.
Ihr ahnt was jetzt kommt... Sie haben mich nicht umgepustet. LEIDER.
Annemieke van Dam war als Elisabeth nicht schlecht. Für mich wirkte sie insgesamt ein bißchen zu jung - Im ersten Akt hat das nicht viel ausgemacht. Da war sie eine süße, mädchenhafte Sisi - Gesanglich etwas schwächer, als z.B. Maya Hakvoort (ich weiß ich mag Vergleiche auch nicht, aber ich hab mich halt die ganze Zeit nach deren Stimmvolumen gesehnt). Trotzdem hat sie mir im ersten Akt gut und im zweiten Akt auch nicht schlecht in der Rolle gefallen!
Gar nicht zu ihr gepasst hat jedoch Uwe Kröger - der allzeit beliebte und über die maßen gelobhudelte Ur-Tod schlechthin... Ich musste mir permanent das Lachen verkneifen. Uwe Kröger wirkte auf mich ein bißchen wie Rumpelstilzchen mit Profilneurose. Er war zu klein für Elisabeth - den großen Verführer hat man ihm nicht abgenommen und er kam (soweit meine Meinung) als Uwe Kröger auf die Bühne, der sich gerne vom Publikum feiern lässt und deshalb seine bekanntesten Stücke singt... nicht als Darsteller, der sich in die Rolle einfühlt und seine eigene Persönlichkeit für die Figur die er darstellt zurück nimmt. Ich hatte den Eindruck, er wollte lieber das Publikum um den Finger wickeln und vergaß dabei Elisabeth - die sowieso nicht seine "Baustelle" war. Uwe Kröger mag ein erfolgreicher Darsteller sein und es mag so sein, dass er einst perfekt in die Rolle des Todes gepasst hat, die aber nach fast 20 Jahren einfach nicht mehr seine ist . Es mag sein (und es ist wohl auch so), dass es andere Rollen gibt, in denen er grandios ist oder war (denn auch gesanglich hat er seinen Zenit längst überschritten!) - HIER hat er mir einfach nicht gefallen! Schade!
Doch es kam noch schlimmer - und zwar in Gestalt der bösen Schwiegermutter!!! Erzherzogin Sophie (Christa Wettstein) machte einen unsympatischen Eindruck - was  Rollenkonform ist, aber sie sang mit einer Stimme, die mir in den Ohren weh tat (Nicht schief, nicht falsch, aber auch alles andere als wohlkingend). So war ich jedesmal heilfroh, wenn sie wieder von der Bühne runter war.
Bruno Grassini war als Lucheni gut, aber mit Serkan Kaya im Ohr wurde ich auch mit ihm  nicht vollständig warm.
Als Rudolf sahen wir Thomas Hohler, den ich auch später im Jahr noch mehrfach in Tecklenburg hab spielen gesehen und den ich darstellerisch wirklich großartig finde! Rausgerissen hat ers aber ebenfalls nicht!

Jetzt hab ich schon soviele Punkte aufgezählt, die mir nicht gefallen oder zumindest nicht genug gefallen haben, dass ich gar nicht so recht weiß wo ich weitermachen soll!
Ach ja - in der Mitte des 2. Akts gab es eine unvorhergesehene Pause, weil die Technik einen Knacks hatte - Irgendwie passt das zum Abend!

Aber ich will mich jetzt auch nicht zu sehr reinsteigern, denn es war ja auch nicht alles schlecht!
Ich weiß, dass ich das Stück lieben würde mit...
- den richtigen Darstellern und
- und einem ordentlichen Sitzplatz
als Bonus wäre eine schönere Kulisse wünschenswert

An diesem Abend konnte ich dem Ganzen jedoch nichts abgewinnen. Und es tut mir selber am meisten leid, dass es so war!
Aber: Es ist ein tolles Stück und ich werde ihm, wenn möglich, weitere Chancen geben!!!!!!!!!!!!!! Denn ich liebe die Musik, ich liebe die Geschichte und ich will es nicht verloren geben :)

Mittwoch, 16. September 2009

Les Misérables, London (2x)

Ich gucke grade die 25th Anniversary DVD des Musicals und da wird es wirklich Zeit mal ein paar Worte zu dem Stück zu sagen, das ich schon zwei mal in London erleben durfte.
Gesehen habe ich es im September 2008 und ziemlich genau ein Jahr später nochmal.

Meine Cast 2009 (2008 genauso mit Jon Robyns als Marius)
Was soll man zu einem Stück sagen, dass seit 25 Jahren mehr als erfolgreich läuft und läuft und läuft. Für mich ist es eins der schönsten Musicals die es gibt! Unglaublich emotional mit sehr vielen musikalischen Highlights (Mir gefällt sehr, dass es -wie früher üblicher als heute- komplett durchkomponiert ist). Es ist ein Klassiker, der seines gleichen sucht! Es wird wirklich Zeit, dass dieses Musical auch mal wieder in Deutschland gespielt wird. Statt dessen immer diese "Udo- und Ich will Spaß Musicals" - man möchte brechen. Nicht dass ich etwas gegen Gute-Laune-Musicals hätte, sie machen z.T. wirklich Spaß. Dagegen ist Les Misérables oft düster und bedrückend, aber es reißt einen auch emotional mit und es wirkt nachhaltig. Die Geschichte berührt einen und klingt noch lange nach. Dramatische, aber auch komische oder romantische Szenen sorgen dafür, dass man am Ende aufgewühlt aber auch zufrieden das Theater verlässt.
Jedenfalls sollte es sich niemand, der in London ist, entgehen lassen! Vorallem keine Angst vor der Sprache - Les Misérables ist wirklich gut zu verstehen und die Bildgewaltigkeit tut ihr übrigens, dass man Sinn und Handlung des Musicals gut nachvollziehen kann.

Bei meiner Besetzung muss ich nochmal im Gedächtnis und im Internet kramen.

Beide Male hatte ich den Jean Valjean Understudy Jonathan Williams, der mir beide Male den Atem geraubt hat - nach solchen Understudys kann man sich in Deutschland nur die Finger lecken. Wir haben nicht mal Hauptbesetzungen von diesem Niveau (Ausnahmen bestätigen die Regel). 2008 hatte ich Drew Sarich als Hauptbesetzung "verpasst" - aber absolut nicht vermisst. Jonathan Williams war der tollste Valjean, den man sich nur vorstellen kann! Am Anfang noch jung und wirklich rrrrichtig nett anzusehen, nimmt man ihm auch im Laufe des Stücks den Alterungsprozess und die spätere Reife ab. Toll gespielt und grandios gesungen! Daher hab ich mich auch sehr gefreut, als ich ihn auch 2009 wieder hatte. Keine Ahnung, wer damals Hauptbesetzung war und mir auch ziemlich egal :)

Earl Carpenter als Javert - Was für eine Stimme. Mehr als einmal hab ich atemlos da gesessen. Auch hier kann ich mir fast keine bessere Besetzung vorstellen. Ihr werdet mir hoffentlich zustimmen, wenn ihr die Kostprobe gehört habt.

Als Eponine hatte ich  Nancy Sullivan. Sie hat mich mehr noch mit ihrem intensiven Spiel als mit ihrer Stimme um den Finger gewickelt. Kennt man Lea Salonga von der 10th Anniversary DVD und CD, dann ist die gesangliche Messlatte auch kaum zu erreichen. Doch Nancy hat eine schöne, klare Stimme und spielt ihre Rolle überzeugend. Man liebt und leidet mit Eponine und wünscht sich in jeder Sekunde, die Rolle wäre ein bißchen größer!!! Allzuschnell stirbt Eponine in Marius' Armen :( Auch hier hab ich ein Hörbeispiel gefunden.

Jon Robyns spielt Marius und ist mir ehrlichgesagt nicht besonders in Erinnerung geblieben. Weder negativ noch besonders herausragend. Ich glaube er war - ebenso wie David Thaxton als Enjolras absolut passend für die Rolle.

Aber am allermeisten hat mich mein erster Gravoche beeindruckt - leider kann ich mich nicht an den Namen erinnern, aber wow - Junge, Junge was für ein smarter Kinderdarsteller. Ich musste so heulen, als... naja... vielleicht sollte ich nicht spoilern :)

Aber wer versucht dieses Stück ohne Taschentücher zu überstehen, dem wünsche ich viel Glück! Zusätzlich empfehle ich einen dicken Pulli, wegen der Gänsehaut. Hab das Stück schon vielen Leuten empfohlen und kann mich nicht erinnern, dass jemand es bereut hätte! Es gibt Musicals die unterhalten und es gibt Musicals die man nie vergisst!

Samstag, 12. September 2009

Sister Act, London

Es liegt jetzt schon über ein Jahr zurück und nach so langer Zeit fällt nicht ganz so leicht eine Rezension zu schreiben. Trotzdem finde ich es wichtig ein paar Worte zu Sister Act zu sagen, da mittlerweile in Hamburg die Previews angelaufen sind und sich sicher viele Leute dafür interessieren werden.

Wo fang ich an... Der Bericht wird doppelt schwer, weil mir das Stück zwar gefallen hat, ich aber auch nicht überschwänglich begeistert bin, so dass ich weder das Bedürfnis habe seitenlang zu schwärmen noch mich total aufzuregen und Luft raus zu lassen.

Ich kannte den Film und bin mit der Erwartung in das Stück gegagen, dass ich Songs und Story kennen würde. Meine erste Wahl wäre es nicht gewesen, aber die Freundin mit der ich damals in London war, wollte es gerne sehen und wer bin ich, wenn ich "nein" sagen würde :)).


Plätze und Bühnenbild:
Wir saßen relativ mittig und recht weit vorne auf dem Balkon. Diese Plätze waren (jedenfalls in London) recht gut, weil das Bühnenbild zum Teil sehr aufwendig ist und mitunter in die Höhe gefahren wird und sich die Handlung dann auf  2 Ebenen abspielt, was zum Beispiel bei den Verfolgungsszenen sehr belebend wirkt. Von unseren Plätzen konnten wir alles gut erkennen, hatten einen Überblick und waren trotzdem nah genug dran um auch die Mimik der Darsteller sehen zu können. Toll waren auch die riesigen Statuen und die bunten Kirchenfenster.

Die Kostüme haben mir ebenfalls gut gefallen - Die Nonnenkutten waren eher klassisch gehalten - nur beim großen Auftritt vor dem Papst beim Finale hat man stark glitzernde eher bunte Roben gewählt, die in meine Augen sehr übertrieben waren.

Die Handlung
Ich denke, die Geschichte dürfte größtenteils bekannt sein. Auf der Flucht vor ihrem Ex-Freund, den sie bei einem Mord erwischt hat, versteckt sich die Bar-Sängerin Doloris in einem Nonnenkloster und mischt dort den Chor und das Klosterleben gehörig auf. Das Musical orientiert sich weitestgehend an der Filmvorlage - Es wurden aber einige Szenen für die Bühnenumsetzung umgeschrieben und auch einige Rollen wurden etwas verändert oder erweitert.
Vorallem den Polizisten erkennt man nicht wieder - Im Musical ist er der kränkliche Trottel vom Dienst. Über den man Lachen soll, der einem aber eigentlich eher Leid tut.

Die Musik wurde für das Stück komplett neu geschrieben - aus dem Film wurden keine Songs verwendet - was ich sehr schade finde, weil man bei der Chorstunde regelrecht erwartet, dass sie gleich mit "Oh Maria" oder ähnlichem loslegen. Ich gehe mal davon aus, dass es rechtliche Gründe hat, warum diese Lieder nicht in das Stück eingebaut wurden.
Insgesamt gefallen mir die neuen Lieder ganz gut, auch wenn ich ehrlich zugeben muss, dass ich kein wirklicher Fan von Soul, RnB und Motownnummern bin und deshalb die Sister Act CD insgesamt eher nicht so häufig höre. Im Stück selber, haben die meisten Lieder wirklich Spaß gemacht.

Die Besetzung:
Deloris Van Cartier - Patina Miller:
Patina Miller beim Finale (Quelle: MailOnline)
Die Rolle der Deloris war wirklch erstklassig besetzt. Patina Miller ist eine echte Rampensau mit einer sehr kraftvollen, ausdrucksstarken Stimme. Sie ist zum Teil sehr rotzig und schleudert einen ordentlichen amerikanischen Gossenslang durch die Klostermauern (mitunter war das ein bißchen schwer zu verstehen manchmal - aber passte sehr gut zu der Rolle).
Ich bin gespannt, ob die eher lieb und brav wirkende Zodwa Selele in Deutschland da mithalten kann. Vielleicht wird sie die Rolle etwas anders auslegen, oder sie überrascht vollkommen - Ich mag Zowi sehr gerne, aber sie hat nicht diesen "Dreck" in der Stimme, den ich bei Patina sehr bewundert habe.

Mutter Oberin - Sheila Hancock
Auch diese Rolle war in London sehr, sehr gut besetzt. Die Mutter Oberin wirkte streng, aber auch ein bißchen verletzlich, was man auch an ihrem Gesang hört. Sie ist alt und die Zeit hat sie irgendwie - überholt... Sie klammert sich an alte Werte und hat zunächst Probleme Neuerungen im Kloster zuzulassen. Erst zum Ende hin taut sie ein wenig auf. Sheila Hancock hat das sehr gut dargestellt. Zwischenzeitlich wurde die Rolle ja auch von Whoopie Goldberg gespielt - meiner Ansicht nach jedoch eine reine PR Aktion, die Besucher ins Theater locken sollte. Wirklich passen tut die Rolle sicher nicht zu Whoopie.

Curtis Shanks - Chris Jarman
Der etwas fettleibige Ex-Lover von Doloris und Gangster Boss hat ein paar mehr Auftritte als im Film, darf auch singen und macht tatsächlich den Eindruck als wäre er grade aus den Motownstudios entschlüpft. Soweit ich mich erinnere erfüllte er darstellerisch und auch gesanglich seine Rolle perfekt! Wie gesagt - nicht so ganz meine Musikrichtung, aber gut war er!!

Monsignore Howard - Ian Lavender
Keine besonders wichtige Rolle und so habe ich auch keine wirkliche Erinnerung mehr an Monsignore Howard

Eddie Souther - Ako Mitchell
Die Rolle an sich hat mir nicht gefallen! Gespielt und gesungen war sie gut! Aber wie schon oben erwähnt ist der Polizist ein schniefender Volltrottel, der seine Pistole im Schrank einschließt, damit sie ihm nicht versehentlich los geht. Soll wohl witzig sein, ich fands eher lächerlich. Die Witze auf seine Kosten haben mich nicht so vom Hocker gerissen, auch wenn er nachher selbstbewußter wird und sich positiv verändert. Mein Fall war diese Änderung der Story nicht.
Einziges Highlight - Ein mehrfacher, blitzschneller Kostümwechsel auf der Bühne :-)

Schwester Mary Robert - Katie R. Jones
Für mich nicht nur die schönste Rolle im Film, sondern auch auf der Bühne! Ich mag die schüchterne, kleine Novizin sehr, sehr gerne. Es ist toll zuzusehen wie sie durch den Gesang zu einer Persönlichkeit wird und endlich ihre eigenen Stärken erkennt.
Wunderschön fand ich ihr "The Life I never led (+ reprise), das für ich zu den schönsten Liedern des Stücks gehört und wo ich tatsächlich Gänsehaut bekam und kurz davor war ein paar Tränchen zu verdrücken! Toll gespielt und wunderbar gesungen!

Schwester Mary Lazarus - Jacqueline Clarke und
Schwester Mary Patrick - Claire Greenway
Ich will jetzt nichts falsches sagen, weil ich grade nicht weiß ob es sich bei Mary Lazarus um die dicke, gemütliche Nonne mit der Brille handelt oder um die alte Nonne mit den zweideutigen Sprüchen. Beide kommen ja auch schon im Film vor und werden von ihren jeweiligen Darstellerinnen genau so dargestellt wie sie im Film über die Leinwand geflimmert sind. Man hätte meinen können, man habe tatsächlich die Filmnonnen auf die Palladiumbühne gesetzt. Natürlich ist auch die Maskerade perfekt. Ob sie in Deutschland auch so toll passende Darsteller gefunden haben?
   
Bones - Nicolas Colicos
Dinero - Ivan De Freitas
TJ - Thomas Goodbridge
Die Gangstergehilfen von Curtis Shanks sind mir nicht weiter im Gedächtnis geblieben und weder positiv noch negativ aufgefallen. Deshalb belasse ich es mal bei der Vermutung, dass sie mir gefallen haben :)

Ein Fazit zu ziehen fällt mir ein wenig schwer. Ich muss sagen, dass die Stimmung im Theater sehr ausgelassen war. Es wurde viel gelacht und am Ende hat der ganz Saal mitgeklatscht und alle waren gut drauf. Die Stimmung ist auch auf mich übergeschwappt. Trotzdem ist Sister Act für mich eher ein Stück, das von den großartigen Darstellern lebt. Der Witz des Stücks war mir hin und wieder etwas zu platt bzw. aufgesetzt, da ich eher einen subtileren Humor bevorzuge. Insgesamt war es aber unterhaltsam und vergnüglich.
 Ob ich es mir jedoch nochmal in Deutschland ansehen werde, hängt davon ab wir mir die Cast-CD aus Hamburg gefällt und ob man bezahlbare Tickets bekommen kann. Eigentlich ist es für mich eher ein Stück, was ich zwar genossen habe, was ich aber nicht zwingend häufiger sehen muss. Falls es sich, aus welchen Gründen auch immer ergibt, werde ich es mir nochmal angucken und vermutlich wieder einen schönen Abend haben. Aber ich gehöre auch nicht zu den Leuten, die bei Vorverkaufsstart die Kassen stürmen, weil es mir nach wie vor nicht sooo wichtig ist.
Die -für Londoner Verhältnisse- recht kurze Spielzeit von nur 16 Monaten, spricht für sich. Ich glaube, es gibt deutlich bessere Stücke - will aber auch nicht zu kritisch sein. Wer den Film mag, wird ganz sicher einen vergnüglichen Abend haben.

Mittwoch, 6. August 2008

Elisabeth, Wien (DVD)

Facts zur DVD
Musical von Michael Kunze & Sylvester Levay 
Aufführung aufgenommen am 30. und 31. Oktober im Theater an der Wien in Wien
Laufzeit ca. 140 min.

Stück und Rollen
"Elisabeth" hatte seine Uraufführung 1992 in Wien und erzählt die "wahre Geschichte" der Kaiserin von Österreich. Der Untertitel ist natürlich ein bißchen blödsinnig - Immerhin begegnet Elisabeth im Laufe ihres Lebens recht häufig dem Tod in Fleisch und Blut und lässt sich von ihm verführen.
Aber auch ohne den Anspruch auf Wahrheit ist diese Geschichte fesselnd und ergreifend. Grade weil wir hier nicht das romantische Romy-Schneider-Märchen vorgesetzt bekommen, sondern Elisabeth als sehr facettenreiche Persönlichkeit dargestellt wird, die eine starke Entwicklung durchlebt. Zu Beginn ist sie ein wildes, unabhängiges Mädchen, dass mit romantischen Vorstellungen in einen Goldenen Käfig gesperrt wird und sich beinahe klein kriegen lässt. Dann jedoch entdeckt sie einen Weg sich zu behaupten, aber auch ihr neues Selbstbewußtsein schlägt bald zu Selbstsucht um. Elisabeth bleibt niemals stehen, sie verändert sich, wird älter... Gegen Ende des Lebens wirkt sie oft ausgelaugt und verzweifelt und zeigt somit eine weitere wichtige Facette.

Die Titelrolle ist daher nicht nur gesanglich anspruchsvoll, sondern verlangt der Hauptdarstellerin auch schauspielerisch eine Menge ab. Maya Hakvoort macht als Elisabeth einen unglaublich guten Job und selbst als Fan von Pia Douwes, der Ur-Elisabeth, lässt man sich bald überzeugen. Es hat etwas gebraucht, aber ich finde Maya mittlerweile wirklich genauso toll! Zu alt?! Nö, ist nicht jede Elisabeth zu Beginn des Stückes "zu alt"? Maya hat eine tolle Stimme und schafft es im Laufe des Stückes nicht nur ihre äußere Erscheinung, sondern auch die Art die Lieder zu interpretieren an das jeweilige Lebensalter der Kaiserin anzupassen. Mich hat sie überzeugt!

Also Tod sehen wir auf der DVD Máté Kamarás der mit Sicherheit polarisiert, da er "anders" ist.
Ich bin die ständige Diskussion leid welcher Tod nun besser oder schlechter ist. Máté Kamarás oder Uwe Kröger! Ich finde, dass man beide einfach nicht vergleichen kann, weil sie beide auf ihre Weise unvergleichlich gut sind ;-) Es gibt eben verschiedene Arten zu sterben! Uwe singt melodischer, dafür hat Mátés Stimme einen ganz besonderen Reiz. Máté ist der junge Wilde, der ganz auf Körperlichkeit setzt und mit Aussehen und Gestik verführt und nicht nur Elisabeth, sondern auch das Publikum - Er besitzt einfach die notwendige Bühnenpräsenz, der man sich nur allzu leicht erliegt und verfällt :)!! Uwe hingegen war in Essen ein distanzierterer - ein abwartender, reifer und überlegener Tod. Beides hat etwas für sich, (edit:wobei ich mittlerweile sagen muss, dass mich letzterer auf der Tour in Frankfurt nicht so überzeugt hat - vielleicht kann man diese Rolle auch nicht ewig spielen...)

Als Lucheni, dem kritischen Erzähler und späteren Mörder Elisabeths überzeugt Serkan Kaya über alle maßen. Gesanglich und darstellerisch einfach großartig. Er macht aus Lucheni (mehr als alle anderen, die ich bisher gehört oder gesehen habe) einen wunderbar ironisch-sarkastischen Rebellen und rockt das Haus! Man kann sich seiner Wirkung kaum entziehen.

In den weiteren Rollen:
Kaiser Franz Joseph - André Bauer
Erzherzogin Sophie - Else Ludwig
Erzherzog Rudolf - Fritz Schmid
Herzog Max in Bayern - Dennis Kozeluh
Herzogin Ludovika - Luzia Nistler
Kronpriz Rudolf als Kind - Johann Ebert

Auch als Fan des Essener-Ensambles kann man daher meiner Meinung nach auf seine Kosten kommen, auch wenn man sich vielleicht erst ein bißchen reinhören muss!

Die Kulisse
Einen kleinen Abzug gibt es (bitte schreit nicht gleich auf), weil mir das Bühnenbild aus Wien nicht so gut gefällt. Ziemlich dunkel, manchmal wird ganz auf die Kulisse verzichtet, oder sie ist (wie bei: "Wenn ich dein Spiegel wär") sehr einfach gehalten. Manches gefällt mir recht gut, anderes wiederum überhaupt nicht (Caféhaus "Autos").

Trotzdem lohnt sich die DVD auf jedenfall! Da sowohl die Geschichte, als auch die Lieder sehr packend sind und einen völlig neuen Blick auf das Leben der Kaiserin eröffnen.
edit: Ich hätte nichts dagegen wenn auch mal die Essener Aufführung als DVD rausgebracht würde - Nicht als Ersatz, sondern als zusätzliche Bereicherung meiner DVD-Sammlung ;-)