Donnerstag, 24. Mai 2012

Zugaben im Mai (Tanz der Vampire und Hinterm Horizont)

22.05.2012 - Tanz der Vampire, Berlin
Demnächst gibts keine Milch mehr zum Kakao

Da bin ich wieder.... Netterweise gibt es jedesmal wenn ich in Berlin bin zufällig grade einen neuen Grafen im Theater des Westens und da kann ich dann natürlich nicht widerstehen. Man muss sich ja informieren und vergleichen und überhaupt.
Ich freute mich jedenfalls sehr Thomas Borchert endlich auch mal als Krolock erleben zu dürfen. Ich hatte schon viel Gutes über ihn gehört, auch wenn er mich auf den diversen CDs nicht vollständig überzeugen konnte.
Live ist das anders... und wie anders! Gut fand ich viele Grafen, auch wenn ich immer der Meinung war, dass es für Tanz der Vampire mehr braucht als nur einen guten Grafen. Für mich ist das Musical grundsätzlich keine One-Man-Show. Diesmal wars eine... Ich hab ja versucht mich zu wehren. Doch wer kennt das nicht: Widerstand zwecklos. So wenig sympathisch mir T.B. bislang war, so sehr hat er mich auf der Bühne beeindruckt. Auf dem Weg zu "Gott ist Tod" schritt er unmittelbar an mir vorbei und mir blieb echt fast das Herz stehen - ob ich wollte oder nicht. Der Mann ist riesig und dann diese Mimik und Gestik... Er wirkt majestetisch - genau das ist das richtig Wort: majestetisch.
Gesanglich fand ich ihn auf CDs immer gut, aber nichts daran hat mich "gepackt" oder besonders beeindruckt. Live und in Kombination mit oben genannter Erscheinung: Zum niederknien und "ich-bin-unwürdig" schreien.
Jedesmal wenn er auf der Bühne erschien merkte ich wie ich mich unwillkürlich in meinem Sitz aufrichtete. Eine meiner Lieblingsszenen war am Ende von ersten Akt vor dem Schloss und die Ballsaalszene, bei alle amtierenden Grafen auf der Bühne zugegen waren. Robert Marx als grandioser Herbert (hab so gelacht!) und Florian Soyka als Vampir (Wenn doch nur für jede Rolle so tolle Auswahl wäre - nach Berlin kann man ganz bedenkenlos fahren. Jeder Graf ein Treffer).

Vermisst habe ich mein Traumpaar der letzten Shows. Kein Anton Zetterholm mehr und an dem Abend leider auch keinen Veit Schäfermeier. Dafür einen soliden Thomas Schweins als Professor, der mir gut gefallen hat - besonders an der Stelle in der Gruft: O-Ton: "In der Theorie bist du ja schon recht brav, aber in der Praxis harpert es noch gewaltig... Demnächst gibts aber keine Milch zum Kakao" (??!??! *g*).

Alfred war -mal wieder- Dennis Jankoviak. Ja, ich war in Stuttgart ganz angetan von ihm und ja - er hat wieder eine supergute Gesangsleistung abgelegt. Aber nein, seine Mimik und sein ganzes Auftreten war -im direkten Vergleich zu Anton, den ich in den letzten beiden Shows hatte- entschuldigung... gähnend langweilig. Wirklich kein schlechter Alfred, aber halt auch keiner, der mich in Euphorie versetzt. Wie Amelie Dobler, die mir als Sarah zum dritten mal unverändert mittelgut gefallen hat.

Ich sag ja - Es war eher eine Grafenshow. Und zwar eine gute! Sagt mir mal was sie den Vampiren in Berlin in den Kakao tun, dass sie mir plötzlich soviel besser gefallen als in Stuttgart? Milch, vermutlich *g*. Ich jedenfalls bin in Berlin anscheinend viel begeisterungsfähiger...
Schon wieder eine grandiose Show.
 

24.05.2012 - Hinterm Horizont, Berlin

Zum Stück selber hab ich ja schon einen ausführlichen Bericht geschrieben (klick), hier deshalb diesmal eine kurze Zugabe und ein paar Gedanken zur Stage und zur Cast...
Tja, was soll man sagen? Ein Stück mit großem Unterhaltungswert, toller Musik und interessantem geschichtlichen Hintergrund.
Die Cast ist alles in allem sehenswert. Schon wegen Serkan Kaya lohnt es sich dem Theater am Potsdamer Platz einen Besuch abzustatten. Ich habs nun das zweite Mal gesehen und fand es wieder toll.

Schade ist jedoch, dass das Theater eine erschreckend schlechte Auslastung hatte. Mal wieder waren sehr viele Plätze - besonders im vorderen Bereich frei.
Das Theater ist sehr groß - keine Frage. Doch auffällig ist schon, dass vorallem die teuren Plätze in PK 1 nicht gut verkauft werden können, während die etwas günstigeren Plätze seitlich oder weiter hinten ganz gut belegt sind. Das war beim ersten Besuch auch schon so und ich habs auch bei vielen anderen Showberichten gelesen.
Vieles spricht dafür, dass das Publikum zwar an dem Stück interessiert ist - jedoch nicht bereitwillig die teuerste Preiskategorie bezahlt. Die Stage wiederum lässt lieber den halben Saal leer, als mehr Publikum mit Rabatten und Aktionen zu locken.

Keine Ahnung, sie werden sich etwas dabei denken und vielleicht denke ich zu simpel, aber meine grobe Rechnung wäre wie folgt:

Leere Plätze => keine Einnahmen... Liebe Stage: Halbleere Theater riechen beim Publikum immer ein bisschen nach Flop. Ob ihr dabei genug Kohle macht, oder nicht ist egal - Viele Zuschauer haben das Gefühl in einem Stück zu sitzen, das unbeliebt ist (auch wenn es nicht der Fall ist) - Das fördert selten den Erfolg einer Produktion. 
Plätze zum halben Preis => mehr Einnahmen (als leere Plätze ohne Einnahmen). Außerdem kaufen auch Leute, die den halben Preis bezahlt haben in der Pause Getränke und Merchendise.
Nebeneffekt: Volles Theater => gutes Gefühl für die Darsteller, Zuschauer und mehr Mundpropaganda, also mehr Werbung für das Stück...

In London ist es absolut üblich überschüssige Kontingente am selben Tag zu Discount-Preisen zu verkaufen oder günstige Dayseats anzubieten. Im Westend sind die Theater immer voll, die Stimmung ist gut, die Leute gehen gerne auch mal öfter ins Theater und geben dort mehr Geld aus. Berlin ist nicht London, aber... naja, vielleicht denke ich tatsächlich zu simpel... Oder die Stage zu kompliziert?! Keine Ahnung - wir werden es wohl nie erfahren.

Falls sich "Hinterm Horizont" nicht mehr rentiert gibt es ja immer noch "Dirty Dancing"... Die Leute werden ins Theater strömen... das wird ein Fest *Ironie Ende*.



4 Kommentare:

  1. Ich finde Thomas als Graf auch sooo unglaublich gut. Er hat mir schon in Wien immer gänsehaut verursacht, aber in Berlin hat er mich nochmal umgehauen, im Hochparkett sitztend und Angst habend, dass der Graf hoch kommt um mich zu beißen, wenn ich nicht zu höre. Und seine Mimik und GVestik hab ich da oben immernoch gesehen!! Un Robert is soo genial als Herbert;)
    Danke für deinen Eindruck.

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  2. Wenn du im Hochpakett schon Angst hattest, dann stell dir vor wie es mir in Reihe 7 am Gang ging (ohne Witz - ich hatte wirklich ein mulmiges Gefühl^^)

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  3. Ich habe das Phänomen Borchert noch nie verstanden. Ich will ihm keine technische Qualitäten absprechen, aber auch eine Maschine hat technische Qualitäten, ist aber sonst leer, aber finde ihn einfach stinklangweilig, vor allem als Graf ist er seit Hamburg, wo er anfangs noch überzeugte, für mich nur noch öde. Aber da mein Geschmack doch eher abseits des Musical Mainstreams bis auf einige Ausnahmen, wie des wohl (von den Lebenden) besten Grafens aka Drew Sarich liegt, ich auch mit Stanke, Weckerlin, Douwes und co nichts anfangen kann, was weiß ich schon...

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  4. Ich kann total nachvollziehen was du meinst, auch wenn es wohl nicht so klingt :)
    Ich bin zwar generell sehr begeisterungsfähig, aber jeder Darsteller muss mich in der jeweiligen Rolle neu überzeugen.
    Der Name alleine machts bei mir eigentlich nicht - auch wenn allgemein viele "Mainstream" Favoriten haben. Thomas Borchert gehörte nie dazu. Den Vergleich mit der Maschine versteh ich. So hab ich vorher auch gedacht. Trotzdem konnte er mich tatsächlich überzeugen. Hab ja im Blog sogar geschrieben, dass es ein bisschen "wider Willen" war. Nichts desto trotz - er war an dem Abend unglaublich!
    Aus der "Grafendiskussion" halteich mich nachwievor aber eher raus. Ich hatte in 6 Shows mindestens 5 verschiedene Grafen. Und das ist auch gut so :)

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