Freitag, 8. April 2011

Tick, Tick... Boom, Datteln

Ich bin mal wieder total begeistert, dass Leute den Mut haben, kleinere, unbekanntere, aber deshalb nicht weniger sehenswerte Stücke auf Deutschlands Bühnen zu bringen!
Dass es nicht immer die größer, toller, teurer Stücke riesiger Produktionsfirmen sein müssen, beweist dieser Abend mal wieder eindrucksvoll.

Wer hat schonmal von Jonathan Larson gehört? Ein paar bestimmt - Das ist doch der Typ der RENT geschrieben hat, ne?! Ja, genau der! Und wer Rent noch nicht kennt, der sollte sich nicht in die Ecke stellen und schämen, sondern ganz schnell eine Bestellung aufgeben und sich mindestens eine der beiden verfügbaren DVDs und/oder die CDs besorgen und das ganz fix ändern!!! (ganz viele Ausrufezeichen).
Eben jener Jonathan Larson hat aber außer Rent auch noch ein anderes Stück geschrieben und auch dieses findet hierzulande leider noch viel zu wenig Beachtung und auch das sollte sich schleunigst ändern.




Gelegenheit es zu sehen hat man im KatiElli-Theater in Datteln. Ein wirklich süßes, kleines Theater mit viel Wohnzimmeratmosphäre und super bequemen Sesseln. Ich denke jeder Platz ein Treffer. Da ist man gleich mitten drin im Stück und das passt auch sehr gut.


Hier also erstmal ein paar Infos zum Stück:
Jonathan (kurz Jon) lebt in SoHo, New York und ist ein aufstebender, aber bislang eher erfolgloser Musical-Komponist. Mit 30 wollte er es eigentlich "geschafft" haben, aber nun rückt der böse Geburtstag immer näher und all seine Hoffnungen hängen an seinem neuen Stück "Suberbia", das demnächst Workshop-Premiere hat. Um sich über Wasser zu halten jobbt er als Kellner und zweifelt an sich selber.
Auch in seiner Beziehung zu Susan gibt es Probleme, denn sie möchte gerne aus New York raus und eine Familie gründen, während er immer noch an seinem Künstlerleben hängt.
Michael, Jons bester Freund und Mitbewohner hat das Schauspielerdasein mittlerweile an den Nagel gehängt und zum "Yuppie" im Marketingbereich mutiert. Jon befremdet das ein wenig - Drei Krawatten und ein BMW? Halbherzig bewirbt er sich in Michaels Firma, aber eigentlich will er lieber seinen Traum leben...
(Ähnlichkeiten mit dem dem Komponisten des Stückes sind wahrscheinlich nicht sehr zufällig *g*)


Die Musik
In Datteln wird das Stück in deutscher Übersetzung gespielt. Dies ist durchaus gelungen, auch wenn ich das ein oder andere Lied (allen voran natürlich "Actions speak louder than words") bereits so auf englisch verinnerlicht habe, dass es mir schwer fällt auf deutsch umzuschalten. Es gibt aber auch viel - ja wie sag ichs... nicht-gesungenen-Text. Jon erzählt aus seinem Leben und von seinen Gedanken und wendet sich sehr oft ans Publikum. Da ist es meiner Meinung nach wirklich sinnvoll, dass das Stück ins deutsche übersetzt wurde.
Die Musik ist typisch Larson. Eher rockig, aussagekräftig und mitreißend. Ich bin ein ziemlicher "Rent" Fan, aber auch "Tick, Tick...Boom" hält tolle Songs parat, die von einer Liveband am Bühnenrand begleitet werden.


Das Bühnenbild 
Auf der Bühne wird eher schauspielerisch agiert. Außer einem Tisch mit Keyboard, einem Kalender, zwei Telefonen und zwei Stühlen gibt es eigentlich nicht viel Requisiete oder Kulisse. Vieles bleibt der Phantasie der Zuschauer überlassen. Wer also eine aufwendige Bühnenshow erwartet ist möglicherweise falsch, wem es aber vorallem auf darstellerische Leistung ankommt - dem wird dieses Stück außerordentlich gut gefallen.


Schlussapplaus/Zugabe
Die Darsteller
Jon - Alex Melcher
Susan - Vera Bolten
Michael - Bernd J. Arends

Auf der Bühne stehen, mal abgesehen von den Musikern, die hin und wieder auch mal als Statisten herhalten mussten, eigentlich nur die drei oben genannten Darsteller.
Alex Melcher als Jon ist IRRE! Er passt in die Rolle wie der berühmte Arsch auf den Eimer! Toll gespielt. Die Sinnkrisen, die Verzweiflung, den Überschwang... Alle Facetten der Rolle hat er absolut überzeugend rübergebracht und das Publikum mitgerissen! Ich kann mir kaum jemanden vorstellen, der besser passt.
Vera und Bernd spielen die anderen beiden Hauptrollen und wechselten zusätzlich noch in ein paar Nebenrollen - auch hierfür Daumen hoch!
Bernd spielt ja nicht nur - ebenfalls sehr überzeugend - Nein, es ist sein Theater und sein Projekt. Was er da auf die Beine gestellt hat muss an dieser Stelle einfach mal ordentlich "gelobhudelt" werden!!!!
Zu Vera muss ich leider sagen, dass sie vermutlich nie zu meinen Lieblingsdarstellerinnen gehören wird. Ihre Stimme ist mir persönlich ein bißchen zu speziell, aber ich mochte sie dennoch sehr gern in der Rolle der Susan, besonders aber in der Rolle von Jons Agentin "DoRRRis"!
Alle drei haben aber einen großartigen Job gemacht, mit ganz viel Herzblut gespielt und gesungen und so fantastisch miteinander agiert, so dass ich restlos begeistert bin!


Fazit
Eigentlich hab ich das ja eingangs schon geschrieben. Ich kann mich nur wiederholen! Es sind nicht immer die Großproduktionen, die es in sich haben! Es ist schön, etwas abseits des - ich nenne es mal "Kommerz-Theaters" auch diese kleinen Herzblut-Produktionen gibt. Und Qualität lässt sich nicht (immer) an der größe der Bühne, des Ensembles oder des Preises der Eintrittskarte messen. Und das ist auch gut so! Deshalb: Mehr von den kleinen, großen Shows!!!!
 
Links und bewegte Bilder:
Hier mal ein kleiner Bericht zur Premiere!

Kommentare:

  1. jaaaa mehr von so kleinen süßen theatern <3

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  2. ich hab letzte Woche die Premiere und die Vorstellung am Samstag gesehen und schließ mich einfach mal an- absolut sehenswert und ein must have für alle die Rent mögen und Herrn Melcher sowieso.

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  3. Danke! Ein sehr schöner Bericht. Und volle Zustimmung meinerseits ;)

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