Freitag, 20. Februar 2015

Dirty Dancing, Düsseldorf

"Die Technik alleine machts nicht - Du musst den Rhythmus spüren. [...] Das ist kein Mambo, das ist ein Gefühl, das muss vom Herzen kommen!"

Als ich Dirty Dancing vor 2 1/2 Jahren zum ersten mal als Liveshow in Oberhausen gesehen habe, fehlte mir genau das: Das unvergleichliche Gefühl, das ich jedesmal habe, wenn ich den Film gucke. Dann bin ich tief in mir drinnen wieder 12 Jahre alt und unglaublich fasziniert von dem Tanz und der großen Liebe - Ich glaube, das wird auch immer so bleiben. Es gibt Filme und Shows die ein rund-um-sorglos Kindheitsgefühl auslösen (In meiner Generation werden auch viele noch das "Wetten dass..." Gefühl kennen, da wette ich drauf). 
 Aber zurück zu Dirty Dancing: Wenn ich mir den Bericht aus Oberhausen noch einmal durchlese, fällt mir auch sofort wieder ein woran es damals haperte und warum ich damals mit dem Entschluss aus dem Theater kam, es nicht noch einmal sehen zu wollen.

Doch Zeit heilt alle Wunden und ich bin und bleibe ein neugieriger Mensch. Ich wollte dem Stück noch einmal eine Chance geben: Und das nicht ganz ohne Hoffnung - denn diesmal wird es von Mehr! Entertainment präsentiert und geht als Tourproduktion überarbeitet und mit anderen Darstellern und Solisten auf die Reise durch Deutschland und Österreich. 
Aus Neugier wurde fast schon Vorfreude. Zur Zeit bin ich mehr oder weniger gefangen zwischen Tapeten, Kleister, Quast und Pinsel und um den ganzen Renovierungsstress mal für ein paar Stunden abzuschütteln, kam mir die Auszeit in Kellermans Ferienresort gerade Recht. Leute, ich hab mich regelrecht drauf gefreut!

"GAGANG"

Wisst ihr was ich meine? Da war es plötzlich! Das Gefühl, der Rhythmus, den man spüren muss. 
"Gagang" hüpfte mitten im ersten Akt aufeinmal mein Mädchenherz. Okay! Hand auf selbiges: Es fällt wesentlich leichter Textabweichungen zu akzeptieren, wenn man von einem Johnny "zum nieder knien" abgelenkt wird. 



Es ließ sich nicht vermeiden irgendwann in den "Anhimmel-Modus" zu verfallen. Erstens ist Maté Gyenei wirklich nett anzuschauen und wirkt mit seinem leicht ungarischen Akzent sehr sympathisch, zweitens hat er definitiv den Rhythmus im Blut und da kann man gar nicht anders, als angesteckt zu werden. Es macht halt einfach Spaß Tänzern zu zuschauen, die es können! 
Gleiches gilt natürlich auch für Marie-Luise Kaster, die als Penny wieder eine großartige Figur aufs Tanzparkett legt (ja, sie war schon in Oberhausen dabei).  


"Das sind nur die Tanzlehrer. Dass die immer so widerlich angeben müssen - das macht doch auf die Leute überhaupt keinen Eindruck".

Falsch Neil: Das macht sogar verdammt viel Eindruck! Oder um meine Theaterbegleitung zu zitieren: "Da hat man plötzlich wieder Lust selber einen Tanzkurs zu machen"!
Die Tanzstunden jedoch kriegt wieder mal Frances "Baby" Houseman, die sie zu Beginn des Stückes auch bitter nötig hat. Zumindest lässt uns Anna-Louise Weihrauch in der Rolle der "Baby" das glauben. Bestimmt ist es ist mindestens genauso schwer zu Beginn so ungelenk zu wirken, wenn man es in Wirklichkeit eine gute Tänzerin ist. Anna-Louise hat mir gut in der Rolle gefallen - vorallem weil die Chemie zwischen "Johnny" und "Baby" sehr gut rüber kam.



 Z.B mochte ich eine Szene sehr gerne, die es im Film nicht gibt: Baby macht Johnny klar, dass er ein guter Lehrer ist und sie unterhalten sich darüber wie sie beide wohl früher in der Schule waren. Das hatte etwas locker, spritziges und gehört zu den wenigen nachträglich zugefügten Szenen, die ich nicht als überflüssig empfunden habe.

Doch Juchhuu... In der überarbeiteten Fassung fallen manche Szenen zum Glück wieder unter den Tisch. Vor zwei Jahren war Johnnys Cousin Billy noch auf der Suche nach einer Freundin - ich kann mich im Detail schon gar nicht mehr daran erinnern - nur noch, dass es unnatürlich reingezwängt wirkte. Diesmal kein Wort darüber, was mich innerlich sehr gefreut hat. Auch die Kennenlern-Liebesgeschichte von Babys Eltern wurde bis auf Andeutungen wieder rausgenommen und beide (Martin Sommerlatte und Tanja Kleine) wirkten viel natürlicher - auch hier ein lautes "Hurra". Was mir allerdings immer noch nicht einleuchten will: Warum um Gottes Willen ist es wichtig dem Stück einen politischen Touch zu verpassen und ausgerechnet Neil (diesen aufgeblasenen Angeber) zum Protest gegen Rassendiskriminierung reisen zu lassen? Es ist eine Liebesschnulze und das sollte sie auch bleiben - Politische Themen sind wichtig, gehören aber in andere Stücke. Abgesehen davon passt nichts weniger zu Neil, sowie man ihn aus dem Film kennt. Er muss klein, schleimig und nervig sein und so verkörpert ihn Benjamin A. Merkl auch - zu meiner großen Erleichterung. Man dürfte ja aus Lisa auch keine Studentin der Quantenphysik machen - Lisas Hula-Hana-Song ist für mich eins der lustigsten Lieder in einem Musical. Ich bewundere Natalya Bogdanis dafür, dass sie dabei ernst bleiben kann und immer den richtigen schiefen Ton trifft. Das ist auch eine Kunst. Richtig schief singen. Sollte ich jemals bei einem Karaoke Wettbewerb mitmachen... ach lassen wir das. Jedenfalls: Ein Knaller!

Ich schweife ab... Was ich eigentlich sagen wollte: Die Kürzungen haben dem Stück gut getan und auch sonst hatte ich nicht nur an den Darstellern und mitreißenden Tänzern viel Spaß, sondern diesmal auch an den Solisten.


Sowohl Eric Lee Johnson (Tito), Dennis Dobrowolski (der auch den Billy spielt) als auch Tertia Botha haben mich gesanglich ziemlich umgehauen. Dennis hat eine Stimmer zum träumen (In the Still of the Night) und Tertia hat Power und Volumen, die einen vergessen lassen wie sehr man an den Originalsoundtrack gewöhnt ist. Die Musik wird nach wie vor teils live von den Solisten gesungen, teils kommt sie vom Band - Es ist und bleibt einfach kein typisches Musical und deshalb hab ich gegen diese Mischung auch nichts einzuwenden. "Hungry Eyes" muss einfach in der Filmfassung gespielt werden. Gott, wie ich dieses Lied liebe. Schade, dass "She's like the Wind" nur instrumental angedeutet wird. Hach ja... Aber nein - musikalisch gab es diesmal wenig auszusetzen.
Die Band befand sich übrigens oberhalb der Bühne und spielte sogar manchmal eine kleine Nebenrolle - nämlich immer dann, wenn bei Kellermans zum Tanz geladen wurde (natürlich stilecht mit Band). Ansonsten verschwanden die Musiker in der Kulisse.

Ein gutes Stichwort, denn last but noch least sollte ich noch erwähnen, dass sich das Bühnenbild für eine Tourproduktion als sehr gelungen erweist. Nicht zu aufdringlich, manchmal durch Projektionen aufgepeppt (besonders bei der Hebefigur im Wasser) und auch leicht wandelbar. Ich habe die Szenenwechsel als sehr angenehm und flüssig empfunden. Da wir uns in einem Ferienresort der frühen 60er Jahre befinden, werden Szenenwechsel oft mit lustiggemeinten Animateureinlagen eingeleitet. Die kennt man ja auch schon aus dem Film. 

Schade nur, dass die Texte hier zum Teil auf sehr platte Art umgeschrieben worden sind.
Beispiel gefällig? Im Film weist der Typ am Megaphon auf das tägliche Programm hin und fügt an: "Für euch Ältere haben wir andere Spiele - haha - ihr wisst schon was ich meine."
Auf der Bühne heißt es: "Für euch Ältere haben wir SEX"... Da darf man ja schonmal zusammenzucken, oder? Das ist mein persönlich wundester Punkt - Aber es kann ja niemand was dafür, dass ich den Film im Schlaf mitsprechen kann. Egal - insgesamt hatte ich das Gefühl, dass die Dialoge (besonders im 2. Akt) wieder näher am Filmoriginal sind. Jedenfalls hat es mich diesmal nicht ganz so sehr gestört und meinem persönlich sehr vergnüglichen Abend im Capitol-Theater keinen Abbruch getan. 



Sagte ich bereits, dass ich von tollen Darstellern, noch tolleren Tanzszenen und meiner Lieblingsmusik genug mitgerissen wurde,  so dass ich diesmal ganz anders - nämlich eher beschwingt - aus dem Theater kam. Nein, Dirty Dancing wird bestimmt nicht über Nacht zu meinem Lieblingsstück, aber ich bin doch sehr, sehr froh dass ich dem Stück noch eine Chance gegeben hat, die es auch prompt genutzt hat! Natürlich kann man die Show noch weiter optimieren. Aber schon jetzt ging es für mich eindeutig in die richtige Richtung, denn ich hatte viel Spaß an dem Live-Erlebnis.

Und - das Wichtigste -  ich hatte es tatsächlich immer mal wieder MEIN Dirty Dancing Gefühl! In diesem Sinne:

"GAGANG"


Tourdaten:
23.01.-08.03.2015 - Düsseldorf
27.05.-19.06.2015 - Hamburg
24.06.-28.06.2015 - Graz (Österreich)
02.07.-12.07.2015 - Frankfurt
16.07.-02.08.2015 - Nürnberg


















Kommentare:

  1. So unterschiedlich sind Geschmäcker. Nachdem ich von DD in Hamburg schrecklich enttäuscht war, weil ich aber auch mit falschen Erwartungen hin bin, hat sich DD in Oberhausen nach und nach in mein Herz getanzt. Außer der Tour-Penny, waren auch Johnny und Baby schon in OB dabei und während ich ihn dort schon absolut grandios fand und nie verstand, warum er nicht Erstbestzung ist, fand ich Baby schon damals unerträglich, weil alles, was sie von sich gab, so leierig und schrecklich auswendig gelernt klang ("Herr Kellerman, Herr Kellerman..." ürgs, da rollen sich mir jetzt noch die Zehennägel hoch.), da mochte ich die Erstbesezung viel lieber, sie entsprach für mich viel mehr der Film Baby, die zwar naiv, aber alles andere als dumm ist.
    Als ich nun voller Vorfreude in Köln in der Tourversion saß und gar nicht erwarteten konnte, meinen Lieblings-Johnny nochmal in Action zu sehen, war ich sehr schnell entsetzt, ich fands schrecklich. Die von dir beschriebenen flüssigen Übergänge, waren für mich einfach nicht vorhanden. Eine Szene glitt zusammenhanglos in die nächste über, es war für mich nur eine Aneinanderreihung, kalt und lieblos. Johnny und Penny waren wie auch schon damals absolut grandios, aber auch Baby hat sich leider nicht verändert, ihre Art zu spielen nervte mich auch jetzt noch. Gesanglich fand ich gerade die weiblichen Stimmen auch in OB damals schon top, sie wurden nicht ohne Grund beide eine Deloris in Sister Act, sie blasen mich immer wieder weg, die Tourstimmen konnten da gut mithalten.
    Den Neil fand ich auch in OB noch ein Tickchen nervtötender (im positiven Sinn *g*), aber was die politische Message angeht gebe ich dir vollkommen Recht: die war und ist vollkommen überflüssig!

    Bei der Tourversion, hat mich der DD-Zauber einfach nicht packen wollen, und ich bin sehr ernüchtert und enttäuscht rausgegangen, aber immerhin hatte ich 30€-Fantickets geschossen, da schmerzte das wenigstens nicht ganz so sehr.;-) Mir fehlte es an Gefühl, an Charme, an kleinen zauberhaften Details....naja, die Erinnerung an Oberhausen bleibt und ich schwelge verträumt in Gedanken an die gute alte Zeit :-)

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  2. Liebe Martha,

    vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ich fand es sehr interessant eine andere Sicht der Dinge zu lesen. Natürlich sind Geschmäcker verschieden - kurz möchte ich aber doch darauf eingehen, was du geschrieben hast.
    Ich glaube, vieles ist von der eigenen Stimmung und der Tagesform der Darsteller abhängig. Ich habe die Show in Oberhausen nur einmal gesehen und die Tourversion auch nur einmal. Deshalb ist ein Vergleich sicher nicht leicht. Bei mir fällt er insgesamt klar zu Gunsten der Tourversion aus, aber das ist auf jeden Fall subjektiv! Ich hatte in Oberhausen die Erstbesetzung für Johnny, Dániel Rákasz, mit dem ich leider überhaupt nichts anfangen konnte. Außerdem waren meine Solisten damals wirklich nicht gut - vielleicht erkältet, vielleicht einfach nicht gut drauf - keine Ahnung - alles möglich. Wie gesagt... Von einem einzigen Besuch kann man sicher nicht auf die ganze Produktion schließen, deshalb nicht böse sein, wenn ich es damals so empfunden habe.
    Schon Maté als Johnny plus die - in meinen Ohren stärkeren Solisten haben für mich bei der Tour den Unterschied gemacht. "Baby" hatte damit wenig zu tun. Ich fand sie okay, aber ich gebe dir sogar Recht: Die Baby in Oberhausen hat mir besser gefallen, aber sie allein konnte es in OB für mich nicht rausreißen. Ich hätte es vielleicht in Oberhausen nochmal sehen müssen.
    Aber wie schon gesagt: Mein Lieblingsstück war es nie und wird es wohl auch nicht werden - trotzdem hatte ich Freitag Spaß und das ist für mich das Wichtigste!
    Vielleicht kommt ja auch mal wieder eine Version auf die Bühne, die für dich die Richtige ist. :)

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    1. Hehe, ich bin doch nicht böse, in Oberhausen war garantiert nicht alles eitel Sonnenschein und jede Show top, nach der ersten Show bin ich auch nicht jubelnd aus dem Theater gestürmt, aber immerhin dachte ich "joah, war nicht so schlimm wie befürchtet";-). Von daher stimme ich dir voll und ganz zu: Shows sind immer nur so gut wie ihre Darsteller und da gab es in Oberhausen definitiv krasse Unterschiede zwischen den verschiedenen Besetzungen. Also lass uns gemeinsam Maté anschmachten und gemeinsam im Kopf den richtigen Text mitsprechen*g*

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