Donnerstag, 29. März 2012

Foulspiel!

Alte Fussballer-Regel: Der Gefoulte sollte den Elfmeter nie selber schießen...
Scheiß auf Regeln, denn sonst dürfte ich als "Geprellte" diesen Blog nicht selber schreiben... Aber ich habs versprochen und es ist mir auch selber ein inneres Anliegen!
Immerhin habe ich jetzt ein paar Nächte über die Sache geschlafen und bin jetzt bereit zu schießen! Allerdings werde ich versuchen dabei nicht zurück zu foulen auch wenn mir immer noch nach "Blutgrätsche" ist.

Sehen wir uns das Spiel also nochmal in der Wiederholung an.... Was ist genau passiert?

Natürlich geht es nicht um Fußball, sondern (mal wieder) um die wunderbare Welt des Musicals.
Wer Musicals liebt, weiß, dass es sich die Veranstalter teuer bezahlen lassen, uns Theaterschwärmer in andere Welten zu entführen. Und wir zahlen (fast) gerne, weil wir entweder verrückt sind, oder uns die abendlichen Erlebnisse für die Leere im Portemonnaie entschädigen.
Trotzdem sollte man vorsichtig sein, welchem Veranstalter man sein Geld anvertraut. Ich werde hier keine Namen nennen, aber SO Mancher bzw. ein bestimmter Veranstalter für Musical-Galas im Pott wird dem ein- oder anderem ja auch so bekannt sein.

Dessen sehr gut organisierte Galas sind ein Garant für Qualität und haben mich immer wieder sehr begeistert.  Doch leider gibt es auch immer wieder Dinge beim Drumherum, die mich nerven und mir den Spaß an der Sache madig machen. Manchmal sind es Kleinigkeiten, aber in der Summe führen grade diese kleinen Piekser zwischen durch zu großer Unzufriedenheit. Für mich ist grade der Punkt gekommen, wo es mir reicht! Um mal wieder die Fußballmetapher zu bemühen: Rote Karte! Nicht an die Künstler, nicht an die Shows, sondern an den ungenannten Veranstalter!

Das Fass zum überlaufen gebracht hat die neuste Aktion:
Man zahlt (gepfefferte) Eintrittspreise für eine Show, die dann ausfällt. Daran hat keiner Schuld - sowas kommt vor. Erst nach einigen Monaten wird ein Ersatztermin angeboten, der allerdings erst fast ein Jahr nach dem ursprünglichen Termin stattfinden wird. Auch dafür habe ich ein gewisses Verständnis. Immerhin ist es nicht leicht gleich vier bekannte Künstler, die alle auch andere Engagements haben, unter einen Hut zu bringen. 
Doch natürlich passt nicht jedem zahlenden Gast dieser neue Termin. Das weiß auch der Veranstalter und bietet an, die gekauften Karten zurück zu nehmen. Soweit so gut.
Und jetzt kommt das Ärgernis: Man erhält seinen Eintrittspreis nämlich nicht vollständig zurück. Obwohl der Käufer (also ich) in keiner Weise für den Ausfall des ersten Termins verantwortlich ist, bekommt er (also ich) nur 90 % der investierten Summe zurück. Die restlichen 10 % (plus Vesandkosten in beide Richtungen) werden einbehalten. Auf freundliche Anfrage wird mitgeteilt, dass es gänginge Praxis sei, bei Kartenrücknahme die Vorverkaufsgebühren einzubehalten. Das mache jeder so.
Jeder?! Ich bin nun wirklich kein Theaterneuling und hab schon mit so einigen Ticketverkäufern zu tun gehabt. Mehre Musicals/Veranstaltungen sind schon ausgefallen und von allen Verkäufern habe ich bisher die volle Kaufpreissumme zurück erhalten.
Unabhängig davon ob man rechtlich dazu verpflichtet ist... Ich persönlich bin der Ansicht, dass es einfach zum guten Ton gehört sich - in Fällen wo etwas von Veranstalterseite nicht klappt - kulant und kundenfreundlich zu zeigen. Dies scheint in E. aber (mal wieder und leider nicht zum ersten Mal) ein Fremdwort zu sein.

Die zurückgenommenen Karte gehen jetzt übrigens wieder zum vollen Kaufpreis (also inklusive Vorverkaufsgebühren) an neue Käufer. Rechnet die Differenz mal hoch...!

Grobe Unsportlichkeit, Platzverweis, Abpfiff!*






*Edit:
Für mich heißt das übrigens, dass ich zukünftig einen großen Bogen um diese Veranstaltungen machen werde. So gerne ich viele der Künstler auch sehe und so leid es mir tut. Ich mag solche Machenschaften einfach nicht mehr unterstützen. Es gibt viele schöne Alternativen, denen ich künftig den Vorrang geben werde. Besonders, weil es weder die erste und sehr wahrscheinlich auch nicht die letzte Aktion ist, über die ich mich ärgere. Wundert euch also nicht, wenn es keine Blogs mehr von diesen Veranstaltungen gibt. Ich weiß, es wird ihn nicht stören, wenn ausgerechnet ich nicht mehr dabei bin, aber ich muss mich zumindest nicht mehr ärgern. 

Aber das ist meine rein persönliche Meinung - ich hetze hier gegen niemanden, ich will keinen abhalten irgendwohin zu gehen, irgendwelche Karten zu kaufen oder sonst irgendetwas - ich will mir nur mal Luft machen. Jeder kann daraus die Schlüsse ziehen die er oder sie möchte. 


Samstag, 25. Februar 2012

Wicked XIV, Scheveningen (Holland)

Wer mich kennt fragt sich vielleicht warum ich nach fast zwei Wochen immer noch nichts zu meiner Wicked Show in Holland geschrieben habe... Eigentlich sprudel ich nach einem Besuch in Oz immer direkt über vor Schreiblust. Wenn ich also Tage, fast Wochen brauche bis ich mich entschließe anzufangen, dann hat das sicher was zu heißen. Was genau das heißt, darüber grübel ich noch.


Ich glaube, es ist passiert was ich am wenigsten bei grade dieser Show erwartet hätte: Sie war gut, aber sie war "normal"!  13 mal hatte ich das Stück vorher gesehen, in Oberhausen, in London, in der Woche, nachmittags, oder zur Primetime am Samstag Abend. Viele Shows wären dafür geeignet gewesen "normal" zu sein und doch war jede auf ihre Art besonders. Und diesmal? Eine neue Sprache, ein Wiedersehen mit Willemijn Verkaik, neue Darsteller in den anderen Rollen und doch... hat es mir diesmal einfach nicht berührt.
Man könnte mir einreden wollen, dass ich es mir leid gesehen hätte. Quatsch!!!! Im November in London hatte ich permanent Gänsehaut und musste an den unmöglichsten Stellen Rührungstränchen verdrücken.

Theater/Plätze
Das Theater in Scheveningen erinnert im Inneren sehr an das Metronom. Auch hier gibt es einen großen Innenraum und ein ringförmig darum angeordnetes Hochparkett. Leider kann man nicht im Saalplan buchen und die PK 1 Plätze sind sehr weit verteilt. Wer also vorne sitze möchte, sollte sich möglicherweise überwinden und direkt beim Theater anrufen (möglicherweise kann man am Telefon über die konkreten Plätze verhandeln).


Nächstes mal werde ich das auf jedenfall versuchen, denn selten hab ich soweit hinten gesessen wie in Holland. Man konnte die Mimik leider nur erahnen. Gesamtüberblick hin oder her - Ich brauche den direkten "Augenkontakt". Es geht soviel Gefühl verloren, wenn man zu weit vom Geschehen entfernt ist. Ein unangenehmer Nebeneffekt ist auch, dass man allzuviel vom Restpublikum mitbekommt. Im hinteren Teil des Theaters herrschte relativ große Unruhe. Wäre mein Niederländisch besser, hätte ich den ein oder anderen Besucher um mich rum gerne mal gefragt, ob es sie sehr stört, dass die Leute auf der Bühne singen, während sie sich unterhalten wollen. Das ist aber leider kein holländisches Problem - in letzter Zeit hatte ich häufiger das Pech in einem Pulk von Leuten zu sitzen, die lieber quatschen als gucken wollten. Sorry, wenn der Unmut darüber grade jetzt aus mir rausbricht. Aber es muss halt mal gesagt werden!

Darsteller
Nun aber erstmal zur Show und zur Cast! Wie gesagt - ich fand sie gut, auch wenn sie mich diesmal leider nicht atemlos zurück gelassen hat. Ich glaube nicht, dass es an der Sprache lag. Ich verstehe das Niederländische recht gut und mir hat sehr gefallen, dass sich die Übersetzung stärker als die deutsche Fassung an der englischen Originalversion orientiert. Das passte sehr gut. Mit Sicherheit sind mir aber aufgrund der Sprachbarriere einige Eigenheiten der Aufführung entgangen. Wenn man damit beschäftigt ist, die Worte zu verstehen, dann hat man einfach nicht mehr soviel Zeit auf bestimmte Betonungen zu achten.


Ich muss aber sagen: Ich mag die Sprache und es war etwas besonderes Willemijn Verkaik endlich mal in ihrer Muttersprache spielen zu sehen. Elphaba ist natürlich ihre Rolle und sie spielt perfekt wie eh und je. Ich will ihr das auf keinen Fall vorwerfen - es ist nur so, dass ich ihre Interpretation der Rolle so in und auswendig kenne, dass es für mich wenig Neues zu entdecken gab.

Mit Manon Novak stand in meiner Vorstellung ein Glinda-Cover auf der Bühne. Sie hat mir sehr gut gefallen, an meine Lieblingsglindas kam sie trotzdem nicht ran.

Jim Bakkum war für sich genommen ein recht perfekter Fiyero. Gesanglich mochte ich ihn gern und auch gespielt hat er - soweit ich das von hinten erkennen konnte - sehr gut. Allerdings ist der Altersunterschied zwischen ihm und Willemijn (mal wieder) sehr groß. Ich glaube nicht nur Willemijn würde sich freuen, wenn sie endlich mal (wieder) einen gestandenen Mann an ihrer Seite hätte, statt immer die süßen Jünglinge, die halb so alt sind wie sie selbst. Aber vielleicht wird es einfach auch mal Zeit für jüngere Elphabas. Ich will damit nicht an Willemijns Können zweifeln, aber ich hab es schonaml geschrieben und wiederhole es gern: Ich würde ihr auch mal neue Rollen gönnen!


Die holländische Cast ist wirklich sehr gut, auch wenn für mich im Prinzip alle Darsteller hinter der Londoner Cast zurück blieben. Klar, ist mal wieder (sehr subjektives) Jammern auf hohem Niveau und es tut mir auch leid, ich hab mein Herz wohl an die Londoner Cast aus November verloren!!! Natürlich lohnt es sich aber trotzdem nach Holland zu fahren. Wicked ist immer einen Besuch wert! 

Schischi

Das Drumherum in Scheveningen ist auf jedenfall erwähneswert. Im Theater gab es viele Kleinigkeiten zu entdecken. Man kann dort Internetfotos machen und Grüße via Facebook über die Grenzen von Oz schicken. Es gibt verschiedene Süßigkeiten im Wicked-Look zu kaufen.
Am Merchendise-Stand gibt es neue T-Shirts und auch die "One Short Day"-Wicked Brillen gibt es käuflich zu erwerben.

Im Restaurant nebenan kann man den Tag bei einem Wicked-Menü ausklingen lassen.

Und Scheveningen hat natürlich noch mehr zu bieten als nur das Musical. Das Circus-Theater liegt in unmittelbarer Nähe zum Meer. Ein Strandspaziergang ist auf jedenfall Pflicht. 


ZAUBERHAFT :)

Freitag, 24. Februar 2012

Miss Saigon, Utrecht (Holland)

Auch wenn dieser Blog jetzt natürlich von der aktuellen Inszenierung handeln soll, muss ich doch erstmal kurz zurück schauen: Ok, kurz ist ein auf 15 JAHRE dehnbarer Begriff, denn solange ist es her, seit ich Miss Saigon gesehen habe. Mein erstes Musical!!
Die Qualität der deutschen Aufnahme mag man beurteilen wie man will - damals hab ich sie rauf und runter gehört. Viel Herzschmerz und Dramatik - dazu tolle Songs... Kein Zweifel - ich wollte das Stück unbedingt sehen und hab dafür sogar die lange Fahrt nach Stuttgart in Kauf genommen.
Ehrlichgesagt hat sich an dieser Situation in all den Jahren nicht viel geändert. Denn danach war ich infiziert. Leider hat es wirklich und wahrhaftig bis 2012 gedauert, dass ich die Gelegenheit bekam es nochmal zu sehen - In Holland!


Aber was wenn sich der Zauber von 1997 nicht mehr einstellen würde, wenn die Inszenierung nicht gut wäre, die Cast oder wenn ich das Niederländische nicht mögen würde... Zweifel waren da, trotzdem stieg die Aufregung und vorallem die Vorfreude je näher ich dem Theater kam!

Die Geschichte:
Da das Stück - wie gesagt - seit Jahren nicht mehr in Deutschland läuft ist es wohl diesmal besonders wichtig kurz zu beschreiben um was es eigentlich geht.

Die Geschichte beginnt 1975 in Saigon während des Vietnamkrieges. Die 17-jährige Kim hat ihre Familie verloren und muss in einem Nachtclub für Soldaten tanzen. Dort lernt sie Chris kennen, einen amerikanischen GI, der im Grunde die Nase voll hat - von Vietnam, von den Bars und auch davon, dass John, sein Kumpel ihm dringend eine Frau kaufen will... Doch es kommt natürlich was kommen muss: Chris und Kim verlieben sich in einander. Leider ist das Glück nur von kurzer Dauer. Die politische Lage in Vietnam spitzt sich zu und der Vietcong erobert das Land. Chris muss fliehen während Kim und "der Chef im Ring" (der einstige Clubbesitzer) ums Überleben kämpfen müssen.
1978 ist das Land in fester Hand der militärischen Eroberer. Kim hat einen Sohn von Chris bekommen und lebt in bitterer Armut. Ihre einzige Hoffnung ist, dass Chris zurück kommt und sie rettet. Dieser hat lange versucht sie ausfindig zu machen, doch als alle Hoffnung vergebens scheint, beginnt er in den USA ein neues Leben und heiratet Ellen.
John arbeitet inzwischen für eine Organisation die sich um die "Bui Doi" - die Mischlingskinder kümmert. Er findet heraus, dass auch Chris ein Kind in Vietnam hat und das Kim zusammen mit dem Chef im Ring nach Bankok fliehen konnte.
Zusammen mit Ellen reisen sie dorthin. Kims Träume von einer gemeinsamen Zukunft mit Chris zerplatzen, als sie im Hotelzimmer auf Chris Frau trifft. Doch sie hofft, dass zumindest ihr Sohn, für den sie durch die Hölle gegangen ist, eine Zukunft in Amerika hat. Doch dafür muss sie eine folgenschwere Entscheidung treffen... Um ihrem Kind ein besseres Leben bieten zu können beschließt sie sich selber zu erschießen.

Es ist eine Geschichte, die an Dramatik kaum zu übertreffen ist und unter die Haut geht. Mich hat es vor 15 Jahren gepackt und jetzt wieder! Das Musical-Genre ist unglaublich vielfältig - Das ist es was ich besonders liebe! Da sind die Spaß-Musicals, die eine permanent grinsen lassen. Da sind die Rock-Musicals, die einen aus den Sitzen katapultieren und da sind Shows wie diese, wo sich Gänsehaut und feuchte Augen permanent abwechseln. Miss Saigon ist ein sehr emotionales, teils trauriges, teils ergreifendes Musical, das einen mitunter fassungslos zurück lässt. Es gibt eine Szene, in der Kims Sohn Tam von dem Mann bedroht wird, dem sie als Kind versprochen war (Thuy). Er will sie zwingen ihr "Bastard-Kind" zu töten und zückt am Ende selbst das Messer. Kim ist verzweifelt und erschießt ihn um ihren Sohn zu retten. Danach bricht sie verzweifelt über der Leiche zusammen. Diese Szene hat bei mir regelrecht Herzrasen ausgelöst. Man ist für 3 Stunden in einer anderen Welt gefangen und einiges geht einem noch Stunden danach sehr nah!

Die Musik:
Unterstützt wird dieses Phänomen auch durch die Musik. Miss Saigon ist ein nahezu durchkomponiertes Stück. Das heißt es gibt so gut wie keine gesprochenen Dialoge. Das meiste wird gesungen und viele musikalische Themen werden immer wieder aufgegriffen. Um es an einem Beispiel deutlich zu machen: Als Chris und Kim sich kennen lernen erzählt sie ihm ihre Geschichte: Wie sie fliehen musste und ihre Familie bei der Flucht ums Leben kam und dass sie lieber sterben würde als zurück zu blicken: "I have had my fill of pain - I will not look back again - I would rather die". Kurz vor ihrem Selbstmord wird dieses Thema wieder aufgegriffen und das Orchester spielt wieder die Melodie dieser Stelle. Durch die Wiederholungen bestimmter "Themen" wird immer wieder die jeweilige Szene auf der Bühne unterstrichen und man kann schon von der musikalischen Untermalung her ableiten was grade genau in der Person vorgeht. Mich fasziniert das sehr. Deshalb finde ich es sehr schade, dass es z.B. keine Gesamtaufnahme in deutscher Sprache gibt. Nur anhand der "Highlights-CD" lässt sich vieles gar nicht so erfassen. Natürlich sind die Hauptsongs das Kernstück, aber es lohnt sehr, sich näher mit der Komposition zu beschäftigen. Ich würde jedem zur Londoner Doppel-CD mit der wundervollen Lea Salonga raten.

Das Stück in niederländischer Sprache zu sehen, hat für mich jedoch nichts von der oben beschriebenen Faszination geändert. In Kombination mit sehr ausdruckstarken Darstellern war die Handlung sehr gut zu vestehen. Ich glaube, sie hätten auch vietnamesisch singen können und trotzdem wäre allein durch Gesang und Spiel rüber gekommen was vorgeht. Natürlich ist die niederländische Sprache für deutsche Ohren ungewohnt. Da ich aber als großer Fan holländischer Produkitonen schon ein bißchen mit dem Klang vertraut bin, hat es mir überhaupt nicht gestört und ich habe sogar erstaunlich viel verstanden.

Die Darsteller:
Besonders leicht hat es einem aber auch die unglaublich starke Besetzung gemacht.


Besonders Na-Young Jeon als Kim hat mir unfassbar gut gefallen. Meine Ohren sind von Lea Salonga  verwöhnt und ich hatte schon ein bißchen angst, dass ich zu kritisch mit jeder anderen Kim sein würde. Doch meine Bedenken haben sich in kürzester Zeit in Luft aufgelöst. Na-Young Jeon hat eine sehr klare, wunderschöne Stimme und singt und spielt mit soviel Leidenschaft, dass mir abwechselnd heiß und kalt wurde. Sie war für mich das Highlight meines Holland-Wochenendes und hat mich total berührt.

Quelle: www.cultuurbewust.nl
Chris wurde an diesem Abend von der Zweitbesetzung Roy Kullick gespielt. Ich habe keinen Vergleich zur Erstbesetzung, aber Roy hat mir sehr gut gefallen. Als er raus kam hatte ich das Gefühl, dass er unheimlich jung ist. Der Schein aus Reihe 14 trug ein bißchen, denn Roy hat schon bei "Les Miserabeles" in Duisburg (lang ists her) mitgespielt. Wie dem auch sei, er war ein toller Chris und hat mich in der Rolle überzeugt.

Als "Regelaar" (Chef im Ring) stand ein holländischer Musical-Megastar auf der Bühne: Stanley Burleson, der schon in vielen großen Stücken zu sehen war (z.B. als Kardinal in den Drei Musketieren). Ich denke, vom Bekanntheitsgrad ist er wohl ungefähr mit Uwe Kröger in Deutschland vergleichbar (auch wenn sonst kaum Ähnlichkeiten bestehen). Stanley Burleson hat mir unglaublich gut gefallen. Ich kannte ihn unter anderem von der Musketier DVD und konnte ihn mir überhaupt nicht als Vietnamesen vorstellen. Eigentlich finde ich es etwas merkwürdig, dass man diese Rolle oft mit Europäern/Amerikanern besetzt. Aber meine Sorge diesbezüglich war unbegründet: Stanley hat eine fantastische Show abgeliefert und eindrucksvoll bewiesen wie wandelbar er ist. Er hat den korrupten, aber irgendwie doch sympathischen Überlebenskünstler überraschend glaubhaft dargestellt. Ob in Lumpen oder in Schlaghosen er war immer ganz "der Chef" selbst und hat dafür gesorgt, dass man auch mal schmunzeln oder lachen konnte.

John (Edwin Jonkers) und Thuy (Kok Hwa Lie) waren glänzend besetzte Nebenrollen und auch Ellen (Anouk Maas) hat mir ganz gut gefallen. Leider wurde Ellens Solo Lied "Her or me" durch eine Neukomposition ersetzt. Nicht, dass mir "Toch nog" nicht gefallen hätte, doch bin ich so sehr an das "Original" gewöhnt, dass mir das neue Lied wie ein Fremdkörper erschien. Außerdem war "Her or me" immer eins meiner Lieblingslieder und so finde ich es wirklich schade, dass es ersetzt wurde. 

Bevor ich jetzt langsam zum Ende komme, möchte ich noch kurz auf die Kulisse eingehen. Im Gegensatz zu Stuttgart gab es keinen echten Helikopter, sondern "nur" eine Videoprojektion. 

Quelle: www.cultuurbewust.nl
Ich kann dazu nur sagen: Ist mir sowas von wurscht! Die Szene hat dadurch nichts an Kraft verloren. Die Kulisse ist insgesamt sehr stimmig und gut gemacht. Ich war sehr zufrieden!

Fazit:
Miss Saigon - mein allererstes Musical - wieder gesehen zu haben war für mich ein ganz besonderes Highlight. Das Stück hat in all den Jahren nichts an Stärke eingebüßt - im Gegenteil. Es hat mich wieder bis ins Mark berührt und ich bin nicht verwundert, dass dieses Stück zu den Gründen gehört, warum ich dem Musical verfallen bin. Ein toller Abend, eine grandiose Cast und ganz viel Gänsehaut! Es hat sich gelohnt!

Dienstag, 14. Februar 2012

Zugaben im Januar/Februar

29.01. Full Monty - Ganz oder Gar nicht, Dortmund

Die Show ist immer wieder gut und macht irrsinnig viel Spaß. Dass hab ich schon bei der Premiere gemerkt und auch gleich brav in die Blogger-Welt weitergetragten. Ich freue mich, dass ich da nicht auf verlorenem Posten stehe. Nicht nur ich bin süchtig nach den strippenden Stahlarbeitern - Das Musical kommt sehr gut beim Publikum an. Das macht sich auch in der Auslastung des Theaters bemerkbar. 
Als das Stück anlief war der Saal oft recht leer, aber nun scheint es sich rumgesprochen zu haben! Ausverkauft! Richtig so... Aber es ist auch etwas aufregend, wenn man an der Abendkasse eins der letzten 10 Tickets ergattert! Nicht schlecht bei einem Saal der 1160 Plätze umfasst!


09.02. Elisabeth, Essen

In Essen hatte ich im Prinzip die gleiche Besetzung wie schon bei der Vorpremiere in Köln. Deshalb reicht es sicherlich, wenn ich hier den damaligen Bericht verlinke: KLICK
Ich möchte an dieser Stelle aber nicht unerwähnt lassen, dass sich meine Einschätzung von damals durch diesen zweiten Besuch bei der Kaiserin gefestigt hat. Auch diesmal haben mich vorallem Annemieke und Kurrosch begeistert. Mark als Tod hat mir gut gefallen - meiner Meinung nach hat er sich im Vergleich zum Oktober auch noch gesteigert. Trotz vorheriger Bedenken muss ich eingestehen, dass er eine gute Wahl für diese Rolle war und ist. Er wird zwar nicht über Nacht zu meinem Lieblingsdarsteller, aber in der richtigen Rolle kann man ihn sich problemlos angucken und anhören.
Ich bin jedenfalls froh, dass ich mir das Stück nochmal angucken konnte und ich bin zusätzlich immer noch erleichtert, dass ich trotz der vermurksten Show in 2010 endlich eine fantastische Produktion dieses wirklich schönen Musicals sehen konnte.


14.02. Tanz der Vampire, Berlin

Also... eigentlich... Wenn das keine Show ist, die einen Blog wert ist, dann weiß ich es auch nicht. Sie unter "Zugaben" zu packen ist eigentlich Frevel... Dafür wirds aber auch die längste und begeistertste Zugabe :)

Ich kann nur immer wieder betonen: Nein... ich bin nicht der größte Tanz der Vampire Fan. Zumindest nicht bisher! Aber irgendwas ist in Berlin geschehen - Irgendwas, oder irgendwer?!
Am Valentinstag hielt das Musical gleich DREI Highlights für mich bereit! Namentlich waren das:

- Florian Soyka als Graf
- Anton Zetterholm als Alfred und
- Veit Schäfermeier als Professor Abronsius

Ich kann gar nicht sagen, wer von diesen Herren mich am meisten zum strahlen gebracht hat. Jedenfalls saß ich - vielleicht zum ersten mal - von Anfang bis Ende schwerelos grinsend im Publikum.
Mein bereits 5. Ausflug aufs Schloss und endlich kann ich auch sagen: Unstillbare Gier!

Bei Florian Soyka saß jeder Ton (wenn auch nicht jede Textzeile, aber das verzeiht man gerne, wenn jemand SO singt) - Egal ob Kevin Tarte,  Drew Sarich oder auch Jan Ammann - keiner hat mir bisher so unglaublich gut gefallen, wie Florian an diesem Abend. Ich glaube, ich mag einfach seine Stimmfarbe am meisten. Jedenfalls kann ich mit Freude verkünden: Ich habe einen Lieblingsgrafen :)

Das Dreamteam Anton Zetterholm und Veit Schäfermeier war wieder in Höchstform. Schon im Januar hatten mich die zwei (im Bezug auf Anton überraschenderweise) total in ihren Bann gezogen. Auch diesmal war das nicht anders. Wenn zwei Darsteller mit soviel Spaß bei der Sache sind, dann springt der Funke sofort auf das Publikum über. Ich hatte schon im Januar-Blog erwähnt, dass ich überrascht war, wieviel Spielfreude plötzlich in Anton steckt. Alfred scheint wirklich seine Rolle zu sein. Gesanglich gut, aber mimisch kaum zu schlagen! Ich musste echt aufpassen nicht (zu) laut loszuprusten... (Das hatte schon fast Jana-Stelley-ist-Penny-Pingleton-Niveau... Für alle, die Hairspray gesehen habe: Ihr wisst was ich meine!).
Und Veit auf der Bühne bedeutet ohnehin gute Laune.

Merkt ihr was: Ich krieg mich nicht mehr ein vor lauter schwärmen... Wie konnte das passieren?! Scheint so als würde mich Berlin dann doch noch vampirsüchtig machen.
Gut so!

(Alle TdV Shows haben in meiner Kurzbewertung 4 Sterne bekommen - diese hat sich den fünften verdient)

Samstag, 21. Januar 2012

Tanz der Vampire, Berlin (Abendshow mit Drew Sarich)

Ich gehöre nicht unbedingt zu den Leuten, die „den Vampiren hinterher reisen“. Eher verbinde ich es ganz gerne mal, wenn ich eh in der Nähe bin.
Diemal jedoch war das Musical und insbesondere die Cast ein guter Grund schon an eben diesem Wochenende nach Berlin zu fahren. 
Doch obwohl die Besetzung ein Hauptgrund war, mir das Stück nochmal anzugucken, fiel mir erst nachdem der Vorhang aufging ein, dass ich beim Betreten des Theaters gar keinen Blick auf die Cast-Liste geworfen hatte. Also rutschte ich nervös auf meinem Platz hin und her.



Als erstes betrat Anton Zetterholm als Alfred die Bühne.
Auf ihn war ich besonders neugierig.
Um ehrlich zu sein: Als die Meldung zu lesen war, dass der Schwede für einige Zeit diese Rolle übernehmen würde, war ich sehr skeptisch. Als Fiyero in Wicked hatte ich so meine Schwierigkeiten mit ihm. Er wirkte oft etwas lustlos, war gesanglich zwar in Ordnung, zeigte aber beim Sprechen deutliche Defizite. Innerlich hat es mich immer ein bißchen geärgert, dass er die Hauptrollen vermeindlich nur bekommt, weil er mal bei Sat 1 eine Casting-Show gewonnen hat. Ich hatte immer ein bißchen das Gefühl, dass er nur aufgrund seines Bekannheitsgrades besser geeigneten Darsteller vorgezogen wurde. Aber bevor sich jemand über meine Sicht der Dinge aufregt:
Ich wurde an diesem Abend eines Besseren belehrt. Noch nie habe ich Anton so stark erlebt, wie in der Rolle des Alfred. Nicht nur dass seine Aussprache um ein Vielfaches besser war, als bisher und er auch gesanglich einen sehr guten Eindruck machte.... nein, auch sein Schauspiel konnte auf ganzer Linie überzeugen! Schlicht gesagt: Er war der Knaller in Tüten! Ich hatte - im Gegensatz zu Fiyero - keine Sekunde lang das Gefühl, dass er "sich erst noch einspielen muss". Er war voll und ganz in der Rolle und es schien ihm sichtlich Spaß zu machen.

 Ich war froh, dass ich nah genug an der Bühne saß, um auch ja keinen Blick, keine Mine und keine Geste zu verpassen. Egal ob er nun verwirrt, hilflos, verliebt oder ängstlich - Anton war immer ganz Alfed und ich musste mehr als einmal unkontrolliert kichern :)
Anton war die Überraschung des Wochenendes und ich bin froh, dass er mich endlich auch mal voll und ganz überzeugen konnte.

Wo Alfred ist darf ja auch Professor Abronsius nicht fehlen. Als die Dorfbewohner den eingefrorenen Wissenschaftler auftauten, hieß mein Mantra: Bitte, Veit Schäfermeier, bitte, Veit Schäfermeier, bitte, Veit Schäfermeier". Bis zur Unkenntlichkeit in Maske und Kostüm verkleidet, konnte ich erst anhand der Stimme erkennen, dass er es wirklich war. Jippie!


An Veit hab ich einen Narren gefressen. Er spielt ja relativ regelmäßig im Bielefelder Stadttheater und genauso regelmäßig begeistert er mich dort! In Berlin als Abronsius war das erwartungsgemäß genauso. Es ist als sei die Rolle extra für ihn geschrieben worden. Er und Anton waren das Traumduo des Abends! Bei den hohen Tönen von "Wahrheit" brachte er mit Leichtigkeit die Gläser zum klirren und das fast ausgebuchte Theater zum rasen! Er war wundervoll witzig und gesanglich (mal wieder) einfach großartig! Früher einmal fand ich den Professor und seinen Studenten eher nervig -mittlerweile (und ganz besonders an diesem Abend) sind die Zwei für mich die Highlights der Show! Ich hab mich köstlich amüsiert!

Mit den Sarah Darstellerinnen ist es ein Kreuz. Bisher konnte mich Keine wirklich überzeugen. Amélie Dobler hat mir weit besser gefallen, als alle anderen Sarahs vorher. Begeisterungsstürme hat auch sie nicht bei mir hervorgerufen, aber sie hat eine sehr solide Leistung abgeliefert. Im Dezember durfte ich die "Totale Finsternis live von Sabrina Weckerlin hören. So muss das klingen! An diese Power kommt Amélie bei weitem nicht ran - gleichwohl war sie eine gute Sängerin und Darstellerin und ich bin endlich  mal nicht enttäuscht aus dem Theater gekommen.



Kurz vor seiner Derniere, hatte ich das Glück Drew Sarich als Grafen zu sehen. Ich hatte gehört, dass er in der Rolle ganz anders ist, als alle Grafen vor ihm und war natürlich gespannt, was genau damit wohl gemeint ist. Um es vorweg zu sagen: So anders fand ich ihn gar nicht. 
Er passte gut in die Rolle und war ein guter Graf. Zum Vergleich hab ich nur Kevin Tarte und Jan Ammann. Drew würde ich irgendwo dazwischen einordnen. Er ist ohne Frage ein sehr guter und zu Recht sehr erfolgreicher Musical-Darsteller. Ein, zwei Sachen stören mich jedoch an seinem Gesang. Zum einen singt er -als Graf, aber auch in verschiedenen anderen Rollen- immer durch die Zähne. Zum anderen zieht er Worte mit "a" sehr in die Länge. "Seid willkommen Brüder in diesem Saaaaaaal"... Dadurch klingen eben diese Worte irgendwie kaaaaalt! Ich weiß nicht genau, ob ihr versteht was ich meine. Aus irgendeinem Grund ist mir das bei dieser Vorstellung extrem aufgefallen. Ist natürlich wieder mal Geschmackssache und soll jetzt auch seine Leistung nicht schmälern. Im Gegenteil: Ich bin froh, eine der letzten Chance genutzt zu haben ihn bei Tanz der Vampire erleben zu können.

In weiteren Rollen standen Thomas Schweins (Chagal), Linda Veenhuizen (Magda), Marc Liebisch (Herbert), Stefan Büdenbender (Koukol) und Juliane Bischoff (Rebecca) auf der Bühne, die mir allesamt ebenfalls gut gefallen haben!

Fazit: Ich hab mich im wunderschönen Theater des Westens sehr wohl gefühlt und eine fantastische Show gesehen. Anfangs hatte ich geschrieben, dass ich bestimmte Besetzungwünsche hatte. Hat geklappt. Überraschend hat es Anton Zetterholm zum "Man of the Match" gebracht. DAS hätte ich absolut gar nicht erwartet. Aber zusammen mit Veit wars einfach... ach egal - ich fange grade schon wieder von vorne an, dabei hab ich oben eigentlich schon alles gesagt!
Deshalb nur kurz: Es lohnt sich!

Freitag, 20. Januar 2012

Hinterm Horizont, Berlin

Jetzt fragt mich mal warum ich innerhalb von 1-2 Tagen entschieden habe am Wochenende spontan nach Berlin zu fahren.
Sollte tatsächlich Udo Lindenberg schuld sein? Hätte ich nicht vor ein paar Monaten noch Stein und Bein geschworen mir keine dieser "Udo-Musicals" anzugucken (Pfffff... mag sie beide überhaupt nicht! Oder)? Okay - Serkan Kayas Auftritte bei der "Sommernacht des Musicals" haben meinen Boykott-Willen eh schon bedenklich ins wanken gebracht - und als ich dann letzte Woche zum ersten Mal bewußt die "Hinterm Horizont" CD gehört habe, stürzte meine ganze Abwehr komplett ein. Die Musik ist mir "wie ein Hammer an die Mütze geflogen" - Ich hätte NIE gedacht, dass mir Lindenberg-Songs so gut gefallen würden. Von "Ich könnte ja vielleicht doch mal nach Berlin fahren" bis "Warum nicht gleich am Wochenende - Ich hab eh nix anderes vor" war kein langer Weg.
Ich sag nur:

Seid willkommen in Berlin!
Ihr Verrückten gehört da hin.
Komm, wir brauchen den Wahnsinn!
Ihr Fantasten überall, mit euphamanten größten Knall.
Und dann kriegen wir das gut hin.

Ich mag überhaupt sehr gerne Texte aus "Hinterm Horizont" zitieren - Vieles was Udo L. zu sagen hat ist nämlich gar nicht mal so blöd. Aber erstmal zurück zu Lü... äh zum Stück!


Worum gehts überhaupt?
Das Musical beginnt mit dem Lied "Mädchen aus Ostberlin" - In der Gegenwart stellt sich die Journalistin Mareike die Frage, ob es dieses Mädchen tatsächlich gab und stößt auf ein Foto, das Udo und eine gewisse "Jessy Schmidt" in inniger Umarmung zeigt. Sie beginnt zu recherchieren und interviewt besagte Jessy, die ihr ihre Geschichte erzählt. 
1983 lernt sie Udo Lindenberg kennen, der ein Konzert im Palast der Republik in Ostberlin geben darf. Für beide ist es die große Liebe, doch der Stasi sind Udo und seine DDR-kritischen Texte und seine lässig, verächtliche Art ein Dorn im Auge. Eine geplante Tour durch Ostdeutschland wird abgesagt und auch Jessy wird von der Regierung unter Druck gesetzt. So bleiben nur verschlüsselte Botschaften und ein heimliches Treffen in Moskau. Doch irgendwann beginnt der eiserne Vohang zu wackeln und im November 89 fällt die Mauer... Doch auch nach der Wiedervereinigung ist nicht alles so einfach!

Ich will jetzt auch nicht schon zu viel verraten. Klar ist: Das Musical erzählt ein Stück deutsche Geschichte und das auf sehr unterhaltsame Weise. 

 
Quelle: Youtube Kanal: Stage.TV

Songs:
Ich hab mich zu Beginn selber abgewürgt, aber ich möchte doch nochmal kundtun, dass ich ganz überrascht bin, wie vielschichtig die Texte sind. Wenn ich nun lese, dass Udo Lindenberg als "Rockpoet" bezeichnet wird, dann glaube ich das ab jetzt. Man mag über seine Nuschel-Masche schmunzeln, aber spätestens jetzt weiß ich, dass er es echt drauf hat! Ich würde mir vielleicht nicht unbedingt all seine CDs kaufen, aber von der "Theater am Potsdamer Platz" Cast CD kriege ich so schnell nicht genug!!!
Die Lieder sind sehr geschickt in die Handlung eingebaut. Im zweiten Drittel des ersten Akts war es mir ein bißchen dialoglastig. Doch insgesamt ist die Story stimmig und mitreißend. Die grandiosen Songs tun ihr übriges. Ich mag ja die "Rock-Musicals" eh besonders gerne und hier muss man sich schon oft zwingen sitzen zu bleiben und nicht aufzuspringen um mitzutanzen. Aber auch nachdenkliche, melancholische Lieder fehlen nicht, die einem mitunter eine riesen Gänsehaut auf die Arme zaubern.
Bei "Willkommen in Berlin" musste ich sogar ein zwei Rührungstränchen verdrücken. Das ging wirklich unter die Haut.

Kulisse/Kostüme:
Bei dem Lied werden Originalbilder von der Maueröffnung auf zwei große Leinwände projeziert, die einen mitten in den Wiedervereinigungstaumel ziehen. Grade diese Projektionen und die Mischung aus Originaleinspielern und nachgedrehten Szenen, die immer mal wieder eingebaut werden, machen das Musical zu einem besonderen Erlebnis.
Ansonsten ist die Kulisse meist... hm ja nicht einfach gehalten, aber doch eher nicht so spektakulär, wie bei manch andere Produktion. Einige Szenenbilder waren nicht so mein Fall. Der überdemensional große Lindenberg-Hut, auf dem die Darsteller zum Teil umher liefen, wirkte auf mich z.B. ein bißchen befremdlich. Auch die Kostüme und Perücken waren nicht immer meins. Die Mode der 80er war natürlich ohnehin ein Fall für sich und möglicherweise sind die Vokuhila-Frisuren tatsächlich authentischer als sie wirkten. Aus heutiger Sicht erscheint manches billig, aber die 80er waren wohl so und ich hab das nur total verdrängt. 

Foto: Brinkhoff/Mögenburg
Ist mir aber auch piepegal ob Jessy und Udo auf einem Hut stehen, während sie "Hinterm Horizont" singen oder sonst wo. Um es an diesem Beispiel festzumachen: Man vergisst das ganze Drum Herum sowieso!

Die Darsteller:
Neben den Liedern ist natürlich auch in diesem Stück die Cast wieder mal das Herzstück:


Serkan Kaya als Udo hat mich vom ersten Ton an total berührt. Ich hab mir echt gewünscht, dass er spielen würde. Das lag natürlich auch daran, dass er durch die CD-Aufnahme eine große Mitschuld an meiner Spontan-Berlin-Aktion hatte. Ich kann mir vorstellen, dass auch Michael Eisenburger seine Sache gut macht und Patrick Stamme, der im Stück einen Udo-Doppelgänger spielt, hat mir zumindest in der Double-Rolle auch nicht schlecht gefallen. Trotzdem - Ich hab mich riesig gefreut, dass Serkan auf der Besetzungsliste stand und ich wurde auch nicht enttäuscht - Im Gegenteil: Ihm gelang es einerseits Udo glaubhaft darzustellen, aber auch nicht zu übertrieben zu agieren. Ich glaube, dass ist eine echte Gratwanderung! Der obercoole-Brillen/Hut-Nuschel-Udo auf der einen Seite und der "normale Privatmensch" Udo auf der anderen Seite... Serkan hat beiden ein Gesicht gegeben und gesanglich haut er einen eh aus den Socken!

Besonders schön fand ich die Szene in der "Gegenwart" in der Udo ganz extrem seine Nuschel-Masche durchzieht und dann auf einmal mit ganz normaler Stimme sagt: "Ist doch völlig absurd, oder: Die Mauer! Ich mein Leute, das Ding stand hier! Zack: Ost - West - ist doch völlig absurd! Aber jetzt sind wir zusammen und jetzt müssen wir es nur noch hinkriegen die Reste der Mauer in unseren Köpfen wegzukloppen, oder?". 

Auch in der weiblichen Hauptrolle hatte ich die Hauptbesetzung: Josephin Busch. Da kann ich nur aus vollem Herzen sagen: PASST! Zum einen besticht Josephin durch eine wunderschöne Stimme und zum anderen nimmt man ihr das Berliner-Ostmädchen voll uns ganz ab. Das ist vermutlich auch kein Wunder, da sie selbst aus Pankow kommt.
Als ältere Jessy stand Christina Athenstädt auf der Bühne. Gesanglich hat sie mich erst nicht ganz so mitgerissen, aber später bei "Was hat die Zeit mit uns gemacht" mochte ich sie sehr gerne.

Besonders gut gefallen hat mir Lars Kempter als Jessys Sohn Steve. Ich muss zugeben, dass ich erstaunt war nach dem Stück seinen Namen auf der Besetzungsliste zu lesen. Erkannt hab ich ihn nicht - dabei hab ich ihn schon in zwei Stücken in Tecklenburg auf der Bühne gesehen. Spricht für seine Wandlungsfähigkeit :)
Gesangssoli hatte er bei "Im Arsch" und "Ganz Anders" und die mochte ich wieder sehr!

Auch alle weiteren Personen waren richtig gut besetzt. Es gibt soviele kleinere und größere Rollen, sodass es jetzt zu weit führen würde zu jedem was zu sagen. Die Besetzung kann sich jedenfalls sehen und hören lassen. Ich hoffe die oben fotografierte Liste hat nicht noch mehr Fehler. Denn wie "Sehnsuchts-Pendlerin" im Kommentar schon festgestellt hat: Der Minister und Prof. Scheuerlich können nicht von der selben Person dargestellt werden: Sie haben gemeinsame Szenen :)

Fazit:
Hinterm Horizont lohnt sich! Die Stärken des Stücks sind vorallem die Musik und die Darsteller. Das Musical hat ein paar klitzekleine Längen (die mir beim nächsten Mal vermutlich gar nicht mehr auffallen werden - ich kenn mich da schon!), die aber durch eine insgesamt sehr schöne und geschichtsträchtige Story wieder wett gemacht werden. Allen Unentschlossenen kann ich die CD ans Herz legen. Vielleicht stimmt ihr mir dann schon zu?! Jedenfalls hab ich meinen Ausflug an den Potsdamer Platz nicht eine Sekunde bereut! Das schreit nach Wiederholung :)