Donnerstag, 17. April 2014

Grease - Fan Event, Düsseldorf 2014

Ich hab ja schon einige Premieren erlebt, aber heute gibt es mal eine ganz besondere Premiere für euch und mich. Diesmal habe ich nämlich zum ersten mal nicht nur meine Tickets weiter gereicht, sondern gebe auch die Schreibfeder aus der Hand.



Wie jetzt? Warum?
Am Donnerstag vor Ostern fand in Düsseldorf ein Fan-Event im Düsseldorfer Capitol Theater statt. Auf dem Programm stand das Kult-Musical Grease mit anschließendem Meet & Greet von Fans und Darstellern.

Ich wäre sehr gerne dabei gewesen, leider hat es bei mir zeitlich nicht geklappt. Aber des einen Leid' ist ja bekanntlich des anderen Freud', deshalb habe ich die Tickets kurzer Hand auf meiner Facebook-Seite verlost.



Ich hab mich sehr über die rege Teilnahme und für die Gewinnerin gefreut. Und kann mich diesmal entspannt zurück lehnen und die Tastatur an Jenny weiterreichen.
Sie hat ihre Eindrücke bei Facebook geschildert und ich lasse euch gerne daran teilhaben.

Als glückliche Gewinnerin hier mein Bericht zum Grease-Fanevent:

Schon am Theater angekommen haben wir zufällig einen Musical-Bekannten der auch beim Event dabei war, entdeckt...
Also Karten an der Theaterkasse abgeholt und rein ins Theater, dort wurden wir freundli
ch von Lara begrüßt und bekamen ein Begrüßungsgetränk, sowie die versprochene Überraschung (ein Grease T-Shirt) – die Teilnehmerzahl am Event war sehr klein (es hieß 16 Personen kam mir aber weniger vor), lustig war dass auch „Normalos“ dabei waren die zufällig gewonnen hatten und fasziniert von der Begeisterung von Musicalfans waren. 



Vor der Show

Das Theater war gut gefüllt und die Stimmung war super, die ersten Besucher wippten bereits bei der Ouvertüre im Tackt mit. Auch auf der Bühne war eine super Stimmung und man merkte den Darstellern ihre Spielfreude an. Ich hatte die Tour bereits letzten Monat in Essen gesehen und war ein wenig enttäuscht, doch der Abend hat alles wieder gut gemacht. 
Meine persönlichen Hightlights waren Eugene und Vince. Durch Kleinigkeiten die im Vergleich zu Essen anders waren und die wohl nur Menschen auffallen die viel Zeit im Theater verbringen, war die Show besonders lustig.
 

Nach einer tollen Show mit Standing Ovations sammelten wir uns wieder in unserem Event-Bereich und gingen dann gemeinsam auf die Bühne. Dort warteten bereits Daniel Rakasz, Lisa Marie Selke, Stuart Summer, Selvi Rothe und Stefan Reil. 


Danke an Jenny S. für das schöne Foto und deine Eindrücke vom Fan-Event
 
Nachdem es ein Gruppenfoto mit allen Teilnehmern gab, durfte sich jeder ein Poster nehmen (man hatte die Wahl zwischen kleinen und großen – wenn man unter Musicalitis leidet bleibt nicht mehr viel Platz also habe ich mich für ein kleines entschieden ). Nun durften nun alle mit der Cast reden, sich Autogramme holen und eigene Fotos machen. Als „kleines Geheimnis“ hat Stefan verraten dass Stuart in Wirklichkeit lange Haare hat und diese am Hinterkopf hochgesteckt sind damit die typische Tolle perfekt sitzt (aus der Nähe sieht man es auch).


Ich selber habe die Show im März in Bremen gesehen und kann mich Jennys Bericht in vielen Punkten anschließen. Ich hatte zwar eine etwas andere Besetzung, kann aber ebenfalls bestätigen, dass die Spielfreude auf der Bühne für ausgelassene Stimmung im Publikum gesorgt hat. Grease ist ein Gute-Laune-Musical mit tollen Songs, die auch nach über 40 Jahren immer noch Ohrwurmtauglich sind und... Moment mal - über 40 (!!) Jahre?! Meine Güte, nein, das Alter merkt man weder der Show noch dem Soundtrack an.

Vorhang auf, abschalten, Spaß haben.

Freitag, 14. Februar 2014

49½ SHADES!, Düsseldorf

Ein neues Musical - und wie immer steht am Anfang die Frage: Muss man aus allem ein Musical machen? Warum eigentlich nicht? Wenn ich eins in den letzten Jahren gelernt habe, dann, dass Musical alles kann und darf, wenn es unterhält und den Zuschauer mitreißt. Das kann auf so viele verschiedene Arten passieren, dass man nie im Voraus abschätzen kann, ob man nachher begeistert ist. Ich hab es aufgegeben Musical-Projekte zu verurteilen, bevor ich mir mein eigenes Bild gemacht habe!

Deshalb habe ich mich riesig gefreut, als ich die Gelegenheit bekam mir das neue Musical "49½ SHADES!" im Capitol-Theater in Düsseldorf anzugucken. Und wieder einmal hatte ich keine Ahnung was mich erwarten würden. Aufregend!!! Ich liebe es neue Stücke auszuprobieren.



Und mit nem Döschen Prosecco und der Einstellung einfach mal ne Runde Spaß zu haben, konnte man sich diese Parodie durchaus ansehen und einen lustigen Abend haben.
 

Man sollte natürlich in etwa wissen worauf man sich einlässt. Wer die Buchvorlage "Shades of Grey" für hohe Literatur hält, wer hofft, einen wundervoll romantischen Schmachtfetzen zu sehen, der bekommt sicher nicht was er erwartet. Die Macher dieses Musicals wissen was eine Parodie ist und bedienen alle Klischees mit der entsprechenden Antwort und ziehen die Charaktere und die Handlung gehörig durch den Kakao.
 

Stellenweise ist das Ganze so "platt", dass man sich wundert, wie das überhaupt möglich ist. Für mich war es die einzig sinnvolle Weise diesem "Buch" "gerecht" zu werden.
Da kommt ein kleiner, dicklicher Christian Grey im Boratbadeanzug auf die Bühne und tanzt mit Tänzern in Peniskostümen. Anna vergeht fast vor Liebe und das "Loch ganz tief in ihr" wird plötzlich gefüllt. Der Hausfrauenbuchclub schaut lesend und schmachtend zu und greift hin und wieder in die Handlung ein. Dem Zuschauer stockt mitunter der Atem, weil eindeutig zweideutig locker lässig zu "mehr als eindeutig" umfunktioniert wird. "Das hat er jetzt nicht gesagt" - "Oh doch, genau das hat er gesagt". Nein, damit auch ja keine Missverständnisse aufkommen - wenn das Musical schon einen Altersbeschränkung (ab 17) hat, dann will man dem auch gerecht werden. Deshalb gibt es immer schön "einen oben drauf" und dann noch einen.
Und das kommt an! Nach dem im Saal ein paar mal kräftig geschluckt wurde, brach nach und nach das Eis und das Capitol war außer Rand und Band. Auch bei uns tat der Prosecco seine Wirkung und unsere innere Göttin jubilierte!
Schwer zu beschreiben - aber es funktionierte! Wir haben richtig viel gelacht. Nicht nachdenken, einfach Hirn aus und fallen lassen!

Das musikalische Highligt war ganz eindeutig "Annas Loch" und der heimliche Star des Abends auf jeden Fall die innere Göttin!

Fazit - kein Musical, das in die Weltgeschichte eingehen wird, aber sehr vergnügliche 3 Stunden, die nicht verschwendet waren! Manchmal ist "hemmungslos über Schwachsinn lachen", das beste was es gibt! :)

Montag, 23. Dezember 2013

Room9: Do They Know Its Christmas Time - Spenden für WaterAid


Der Adventskalender von Room 9 (Anton Zetterholm & Rob Houchen von Les Miserables) hat uns schon den ganzen Dezember begleitet. Was für eine tolle, tolle, tolle Idee!
Jeden Tag öffnet sich ein Türchen, jeden Tag gibt es eine neue Video-Weihnachtsüberraschung für alle Musicalfans.
Heute, am 23. Dezember gab es einen ganz besonderen Leckerbissen... Die Jungs haben es tatsächlich geschafft viele Casts im West End und rund um den Erdball "zusammen" zu trommeln um für die gute Sache zu singen... Nämlich Spenden für WaterAid!
Wie schon in den 80ern geht das mit viel Spaß und dem ultimativen Charity-Song "Do they know it's Christmastime" am allerbesten!

Viel Spaß beim Video!!!

Montag, 16. Dezember 2013

Best of Musical Hits (3 CD Set von Tchibo 2013)

Werbebild (c) Tchibo
Ich kaufe selten bis nie Compilation CDs, weil mich eher die Original CDs zum jeweiligen Stück in voller Länger interessieren.
Vor 3 Jahren kam pünktlich zum Weihnachtsgeschäft jedoch eine recht interessante Musical Compilation von Tchibo auf den Markt. Viele Originallieder, aber auch bekannte Musical Lieder von bekannten Musicaldarstellern, die sonst (noch) nicht erschienen sind.


Nach längerer Pause hat Tchibo es nun wieder getan. Offiziell kommt die CD-Sammlung erst am 18.12.2013 auf den Markt, bei uns stand sie aber schon heute im Regal... Deshalb hier für alle die es interessiert:

DIE TRACKLISTE:

CD 1:
01: Zeig mir den Himmel (Sister Act) Zodwa Selele, Patricia Meden, Elissa Huber

02: Dir gehört mein Herz (Tarzan) Alexander Klaws, Ana Milva Gomes
03: I will always love you (Bodyguard) Mark Seibert
04: Ich lieb dich überhaupt nicht mehr (Hinterm Horizont) Josephin Busch & Aline Staskowiak
05: Boote in der Nacht (Elisabeth) Angelika Milster
06: In Palästen geboren (Ludwig II) Jan Ammann
07: Musik der Nacht (Phantom der Oper) Christian Alexander Müller
08: Bleib noch bis zum Sonntag (Song & Dance) Gitte Henning

09: Für Sarah (Tanz der Vampire) Sascha Kurth
10: Ich wollte nie erwachsen sein (Tabaluga) Andreas Bieber
11: Wenn es weiter regnet (Rocky) Wietske van Tongeren
12: Männer (3 Musketiere) Pia Douwes
13: Who wants to live forever (We will rock you) Mark Seibert & Barbara Obermeier
14: Kann es wirklich Liebe sein (König der Löwen) OCHamburg

15: Somewhere (West Side Story) Nicole Mühle
16: Was wichtig ist (Ich war noch niemals in New York) Isabel Dörfler

CD 2:
01: Fabelhaft Baby (Sister Act) Zodwa Selele, Patrica Meden, Elissa Huber

02: Alles (3 Musketiere) Alexander Klaws & Sabrina Weckerlin
03: Zeit in einer Flasche (Rebecca) Michaela Schober
04: Memory (Cats) Musical Tenors
05: Unchained Melody (Ghost) Uwe Kröger
06: True Love (High Society) Erkan Aki & Anna Aki
07: Gefährliches Spiel (Jekyll & Hyde) Thomas Borchert, Eva Maria Marold
08: Wie soll ich ihn nur lieben (Jesus Christ Superstar) Angelika Milster
09: Totale Finsternis (Tanz der Vampire) Jan Ammann, Sabrina Weckerlin
10: Goodbye (Catch me if you can) Mark Seibert
11: Frei und schwerelos (Wicked) Sabrina Weckerlin
12: The Winner takes it all (Mamma Mia) Patrick Stanke
13: Ol Man River (Showboat) Ingrid Peters
14: Tonight (West Side Story) Peter Hofmann & Deborah Sasson
15: Kalte Sterne (Ludwig II) Jan Ammann
16: Hinterm Horizont gehts weiter (Hinterm Horizont) Serkan Kaya, Josephin Busch

CD 3: 
01: Starlight Express (Starlight Express) Markus Psotta
02: With You (Ghost) Mark Seibert, Marjan Shaki
03: Ein neues Leben (Jekyll & Hyde) Eva Maria Marold
04: Endlose Nacht (König der Löwen) Gino Emnes
05: Ich gehör nur mir (Elisabeth) Janet Marie Chvatal
06: Die Schatten werden länger (Elisabeth) Jan Ammann & Sascha Kurth
07: Nur für mich (Les Miserables) Ingrid Peters
08: Fremde wie ich (Tarzan) Alexander Klaws, Elisabeth Hübert
09: Mehr will ich nicht von dir (Phantom der Oper) Carsten Lepper, Jana Werner
10: Mein Gott, warum (Miss Saigon) Patrick Stanke
11: Dont cry for me Argentina (Evita) Deborah Sasson
12: Immortality (Saturday Night Fever) Volkan Baydar
13: Time of my life (Dirty Dancing) Uwe Kröger, Tamee Harrison
14: Ich kam und sah sie (Miss Saigon) Michaela Schober
15: Wer kann schon ohne Liebe sein (3 Musketiere) Pia Douwes, Sabrina Weckerlin, Kristin Hölck
16: Die unstillbare Gier (Tanz der Vampire) Jan Ammann

Ganz ehrlich? Ich werde sie weiterverwichteln... Für mich selber ist sie diesmal bis auf 2-3 Lieder nicht wirklich interessant, aber Neueinsteigern kann ich durchaus zum Kauf raten. Viel Spaß beim Hören und lasst mich wissen, wie ihr die CD findet.





Samstag, 20. Juli 2013

Sommernacht des Musicals in "Dingslaken"

Solisten:
Christian Alexander Müller
Jessica Kessler
Valerie Link
Rob Fowler
Maricel
Patrick Stanke


1. Music was my first Love (Alle)
2. Herzlich willkommen in den 60s aus Hairspray (Patrick Stanke, Jessica Kessler)
3. Billie Jean (Rob Fowler)
4. Rebecca aus Rebecca (Maricel, Valerie Link)
5. Junge (Christian Alexander Müller als Heino, Patrick Stanke)
6. More than Words (Background-Chor)
7. Defying Gravity (Patrick Stanke)
8. Wie ich bin aus Wicked (Valerie Link, Patrick Stanke)
9. Heißgeliebt aus Wicked (Valerie Link)
10. Mein Sinn für Stil aus Aida (Maricel)
11. Hammer to fall aus We will rock you (Jessica Kessler und Rob Fowler)
12. Eye of the Tiger (Rob Fowler und Patrick Stanke)
13. So much better aus Legally Blonde (Jessica Kessler)
14. Nur Liebe bleibt aus Rent (Alle)

Pause

15. Totale Finsternis aus Tanz der Vampire (Jessica Kessler, Christian Alexander Müller)
16. Medley als Straßenkünstler (Patrick Stanke)
17. Falling Slowly aus Once (Patrick Stanke und Valerie Link)
18. Sweet Transvestite aus Rocky Horror Show (Rob Fowler)
19. Gold von den Sternen aus Mozart (Maricel)
20. Nur für mich aus Les Miserables (Jessica Kessler)
21. Bring ihn Heim aus Les Miserables (Christian Alexander Müller)
22. Lied des Volkes aus Les Miserables (Alle)
23. Die Schatten werden länger aus Elisabeth (Rob Fowler und Patrick Stanke)
24. Ich gehör nur mir aus Elisabeth (Maricel)
25. Dies ist die Stunde aus Jekyll & Hyde als Reggae-Version (Patrick Stanke)
26. Denk an mich aus Phantom der Oper (Valerie Link)
27. 'Till I hear you sing aus Love never dies (Christian Alexander Müller)
28. Phantom der Oper aus Phantom der Oper (Valerie Link und Christian Alexander Müller)
29. Time Warp aus Rocky Horror Show (Alle)
30. We are the Champions aus We will rock you (Alle)

Freitag, 21. Juni 2013

Les Miserables, Magdeburg 2013 (Premiere)

Über meine Besuche in London habe ich vor einiger Zeit folgendes geschrieben:

"Für mich ist Les Misérables eins der schönsten Musicals die es gibt! Unglaublich emotional mit sehr vielen musikalischen Highlights (Mir gefällt sehr, dass es -wie früher üblicher als heute- komplett durchkomponiert ist). Dieses Musical ist ein Klassiker, der seines Gleichen sucht! Es wird wirklich Zeit, dass dieses Musical auch mal wieder in Deutschland gespielt wird."

Lange mussten wir uns gedulden, doch dieses Jahr kam hierzulande nicht nur die lang ersehnte Verfilmung in die Kinos, nein - endlich gibt es auch die Gelegenheit das Stück wieder Live zu erleben!
Das Theater Magdeburg zeigt vom 21.06-20.7.2013 eine Neuinszenierung des Schönberg/Boublil Stücks vor ganz besonderer Kulisse.

Freilichttheater haben immer eine eigene Atmosphäre. Das Domplatz Open Air findet direkt vor dem Magdeburger Dom statt. Das tolle Bühnenbild und die natürliche Bühnenumgebung ergänzen sich dabei aufs beeindruckenste. Von der Zuschauertribühne aus hat man sowohl die halbrunde Holzkonstruktion, als auch den Dom selbst im Blick, der durch Illumination der Fenster in die Handlung mit einbezogen wird.



Die Bühnenkonstruktion kann man durchaus als Geniestreich bezeichnen. Sie wird zum Teil auf drei Ebenen bespielt. Zwei Elemente können verschoben werden und geben den Blick z.B. auf das Innere von Fantines Zimmer oder den Raum des ABC Cafés frei, in dem die Stundenten ihren Aufstand planen. So ist die Kulisse auch ohne die übliche Drehbühne, wie man sie normalerweise im Stück verwendet, sehr wandelbar. Zusätzlich überzeugt die Inszenierung durch tolle Ideen. Bei "Morgen schon" stehen alle Darsteller auf verschiedenen Ebenen der Bühne. Im Verlauf des Liedes wird eine überdemensionlae Frankreichfahne über alle drei Ebenen gespannt, durch die im Gegenlicht die Silhouetten der Darsteller scheint - Ein wahnsinnig schöner Effekt. Ich liebe dieses Lied und kriege regelmäßig Gänsehaut. Als Liebhaber der Londoner Inszenierung fand ich es zwar ein bisschen schade, dass hier niemand auf der Stelle marschierte, was mir regelmäßig die Tränen in die Augen treibt. Aber ohne Drehbühne wäre dies wohl ohnehin nicht ganz so effektvoll - zudem war die hier gezeigte Szene sehr beeindruckend und stimmig, so dass ich erst gar nicht anfange zu vergleichen.

Unbezahlbare Special Effects schickte außerdem der Himmel, der ebenfalls ein Musicalfan sein muss. Das Stück begann um 21 Uhr bei strahlendem Sonnenschein. Im Verlaufe des Musicals konnte man den Himmel dunkler werden und den Mond aufgehen sehen. Im zweiten Akt wurde mancher Zuschauer vom Geschehen auf der Bühne abgelenkt, als sich über den Zinnen des Doms ein Schauspiel ganz besonderer Art abspielte. Ein unglaublicher Vollmond kämpfte sich direkt über dem Kirchendach durch aufziehende Wolken und beschien das ergreifende Treiben auf der Bühne. Was für ein gruselig-schöner Anblick, der zusätzlich für meterdicke Gänsehaut sorgte. Auch die Turmuhr schien eine Oscarreife Nebenrolle zu spielen. Zusammen mit ein paar wohlplatzierten Regentropfen schlug sie Mitternacht als zum Ende des Stücks Jean Valjeans letztes Stündlein geschlagen hatte. 

Apropos Jean Valjean - Jetzt habe ich schon sehr viel über Kulisse und Bühnenbild geschrieben und noch nicht ein Wort über die Besetzung verloren. Es wird Zeit dies nachzuholen. Denn die Inszenierung überzeugt nicht nur mit "Äußerlichkeiten", sondern auch durch eine sehr gute Cast.
Im Vorfeld hatte ich einige Male gesagt, dass ich mir Thomas Borchert eher als Javert und weniger als Valjean vorstellen kann - Während des Stückes hat er mich eines Besseren belehrt. Sowohl gesanglich, als auch darstellerisch ist er der Rolle des Gefangenen 24601, der sich seinen Platz als Jean Valjean erkämpft durchaus gerecht geworden.
Auch Markus Liske, den ich bisher gar nicht kannte, überzeugt in seiner Rolle als ordnungstreuer und unerbittlicher Polizeichef und Gegenspieler Javert. Es war toll "Sterne/Stars" mal wieder in gewohnt klassischem Gewand zu hören (ohne dass ich jetzt kritisch über die Country/Rockstimme von Russel Crowe debattieren möchte).
Besonders berührt haben mich Bettina Mönch als Fantine und Christina Patten als Eponine. Ihre Haupttitel "Ich hab geträumt" und "Nur für mich allein" kenne ich schon seit ich musicalistisch denken kann und habe beide Lieder schon in sehr vielen Interpretationen gehört - von Heidi Brühl bis zu den unglaublichen Leading-Ladys im Westend - Und immer wieder ergreifen mich die Lieder aufs Neue. Beide Darstellerinnen zeichnen sich durch sehr angenehme Stimmen aus und auch ihr Spiel, besonders in den jeweiligen Todesszenen hat mich sehr mitgenommen.
Gott sei Dank gab es mit dem Gaunerpaar Thenardier (Peter Wittig und Gabriele Stoppel-Bachmann) auch immer wieder Szenen zum Schmunzeln, die den traurigen Grundtenor des Stücks ein bisschen auflockern.
Der freche Straßenjunge Gravoche wird aus Jugendschutzgründen in Magdeburg nicht mit einem kleinen Jungen besetzt, sondern wird von einer Frau gespielt. Zwei Darstellerinnen teilen sich diese Rolle und leider weiß ich nicht, ob bei der Premiere Sandra Pangl oder Maria Neumann auf der Bühne standen. Welche von beiden es auch war - Sie hat ihre Sache gut gemacht, auch wenn bei mir ein bisschen Wehmut aufkam, weil die Jungs in London jedesmal kleine Highlights waren.
Mit Cosette habe ich im allgemeinen und im besonderen immer wieder meine Schwierigkeiten. Die Rolle verlangt einen klassischen Sopran, der selten mein Fall ist. Ob im Film oder auf der Bühne - in meinen Ohren klingt Cosette leider immer sehr anstrengend. Teresa Sedlmair ist optisch ein sehr süßes Mädchen  und spielt mit der nötigen Anmut und Frische. Gesanglich lagen wir trotzdem nicht auf einer Wellenlänge, da sie die Rolle sehr operettenhaft anlegt. Das ist sicher gewollt, trifft aber leider nicht meinen persönlichen Geschmack.
Hingegen mochte ich die Barrikaden-Jungs um Anführer Enjolras (Marc Lamberty) - allen voran Oliver Arno als Marius mal wieder sehr! Man möchte gleich aufspringen und "Revolution" brüllen. Oliver ist mit Anfang 30 zwar eigentlich ein bisschen alt für den jugendlichen Revolutionär, wirkt aber sehr jung und gefällt mir auch gesanglich sehr gut. Eponines Tod (Der Regen) und vorallem seine Interpretation von "Dunkles Schweigen an den Tischen" war für mich ein echtes Highlight. Ich musste schwer schlucken, als er den Tod seiner Kameraden betrauert und dabei alle nochmal namentlich erwähnt. Das kannte ich in dieser Form nicht und hat mir jedesmal, wenn er einen Namen murmelte oder hinausschrie nochmal einen zusätzlichen Stich ins Herz versetzt. 


Eine gute Stelle sich zu fragen, wieso man ein Stück so liebt, das einen eigentlich permanent leiden lässt?! Ich weiß darauf keine andere Antwort, als die, die ich schon im Bezug auf London gegeben habe:  Les Misérables ist oft düster und bedrückend, aber es reißt einen auch emotional mit und es wirkt nachhaltig. Die Geschichte berührt einen und klingt noch lange nach. Dramatische, aber auch komische oder romantische Szenen sorgen dafür, dass man am Ende aufgewühlt aber auch zufrieden das Theater verlässt.
Es gibt Stücke, die einen unterhalten und es gibt Stücke, die man nie vergisst!

Magdeburg hat erheblich dazu beigetragen, dass ich mal wieder einen Les Miserables Rausch habe. *Hicks*. Ob nun in der Freilicht-Fassung auf deutsch oder im Londoner Original. Das Stück hat mich wieder voll in seinen Fängen! Wer die Gelegenheit hat, sollte sie ergreifen und sich ergreifen lassen!!! 


PS: Danke an Bianca, die mir netterweise ein Foto von der Premieren Cast-Liste zur Verfügung gestellt hat. Hier wird auch meine Frage nach Gravoche beantwortet :)
 

Montag, 3. Juni 2013